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The Fighters

Never Back Down. USA 2008. R: Jeff Wadlow. B: Chris Hauty. K: Lukas Ettlin. S: Victor Du Bois, Debra Weinfeld. M: Michael Wandmacher. P: Summit Entertainment, Mandalay Pictures, BMP Films. D: Djimon Hounsou, Sean Faris, Amber Heard, Cam Gigandet, Evan Peters, Leslie Hope, Ryan Watson, Lauren Leech, Affion Crockett, Jim R. Coleman, Tilky Jones, Chris Adler u.a.
106 Min. Concorde ab 14.8.08

O.C. Fight School

Von Nils Bothmann In den seligen 1980ern erfreute sich der US-Martial-Arts-Film großer Beliebtheit im Kino, Werke wie Karate Kid, No Retreat, No Surrender und Kickboxer waren so erfolgreich, daß sie drei bis vier Sequels nachsichzogen. Mit Anfang der 1990er gingen die meisten Martial-Arts-Filme direkt in die Videothek. Einer davon war auch Showdown, der den »deutschen« englischen Titel American Karate Tiger erhielt, mit Billy Blanks als Kampfsporttrainer aufwartete und die Geschichte vom Schulneuling erzählte, der sich durch Karatetraining gegen Schulrowdys behaupten kann. Anno 2008 kommt nun Never Back Down in die Kinos, der den »deutschen« englischen Titel The Fighters erhielt, mit Djimon Hounsou als Kampfsporttrainer aufwartet, der hier fast genauso aussieht wie Billy Blanks, und die Geschichte vom Schulneuling erzählte, der sich durch Kampfsporttraining gegen Schulrowdys behaupten kann.

Von daher ist es schon irgendwie mutig, einen solchen Film überhaupt ins Kino zu stemmen, denn The Fighters ist ein Genrefilm für Genrefans. Die zaghaften Versuche, ein weibliches Publikum mit Hilfe einer Liebesgeschichte anzulocken, sind vergeblich, da selbige einfach nur nebenher abgehandelt wird und die Romantikerfraktion angesichts der Prügelszenen eh das Kino verlassen dürfte. Karate ist heutzutage out, deshalb betreiben die Jugendlichen in The Fighters das in den USA äußerst beliebte Mixed Martial Arts, kurz MMA genannt. Von daher sind die von Damon Caro (300, Mr. and Mrs. Smith) und Jonathan Eusebio (Collateral, Bourne-Trilogie) choreographierten Kampfszenen wesentlich realistischer als das »Kranich«-Gehüpfe von Karate Kid und Co.; ansonsten sind die Unterschiede zu früheren Martial-Arts-Filmen allerdings weniger gravierend. Wieder mal predigt der Film durch die Trainerfigur, daß Kämpfen nur der letzte Ausweg ist, aber natürlich kommt der Held, der von Sean Faris gespielte Jake Tyler, gegen Ende des Films in genau jene Lage, wieder mal findet der ungestüme Protagonist erst durch Kampfsport zu innerem Frieden.

Schaut man sich das US-TV und seine visuellen Konzepte an, so ist dessen Einfluß auf den aktuellen Hollywoodfilm unübersehbar, und die früher so abschätzig benutzte Phrase »Fernsehästhetik« ist mittlerweile nicht mehr unbedingt ein Schimpfwort. Auch The Fighters orientiert sich am US-Fernsehen, die mit Songs unterlegten Trainingsszenen würden sich wunderbar als Musikvideos eignen, und der Look der High School-Szenen erinnert stark an O.C. California und derartige Formate. Da verwundert es nicht, daß The Fighters ähnliche Klischees auffährt, denen zufolge es in Florida scheinbar nur schöne Menschen gibt, die in vielen Fällen auch noch reiche Eltern haben und von daher sorgenfrei leben können. Immerhin besitzt der Film ein wenig Selbstironie, z.B. in jener Szene, in der Jake und sein Sidekick beim Training in Rocky Balboa-Manier rohe Eier trinken wollen, dann aber merken müssen, daß das Leben nicht unbedingt den gleichen Regeln folgt wie ein Stallone-Film.

Man sollte The Fighters nicht verdammen, denn trotz seiner Mankos funktioniert er als Genrefilm durchaus, bietet viele Trainings- und einige Kampfszenen (in denen die Darsteller erfreulich wenig gedoubelt werden), ist flott erzählt und hat sogar ein paar interessante Ansätze. Damit ist weniger die altbekannte Klassenkampfrhetorik des Films gemeint, denn natürlich stammt der Held aus ärmlichen Verhältnissen, während sein Antagonist ein reicher, verzogener Fatzke ist. Viel interessanter ist die Art, wie The Fighters auf die youtube-Kultur eingeht. Ein youtube-Clip von einem Ausraster Jakes bei einem Footballspiel prädestiniert ihn direkt für die MMA-Kultur in Florida, Videos von MMA-Kämpfen können über die Popularität an der Schule bestimmen. An einer Stelle fragt der Antagonist sogar direkt: »Why should anyone fight when there are no spectators?« In Zeiten, in denen Handyvideos von Schulhofprügeleien Nachrichtenthema sind, eine berechtigte Frage, wenngleich The Fighters trotz seiner Ansätze nicht wirklich weiter in die Tiefe bohrt.

Ein großer Film ist Jeff Wadlow mit The Fighters nicht gelungen, jedoch ganz unterhaltsames Zielgruppenkino, das auch den passenden Sound an Bord hat. Trapt geben sich »Headstrong«, 12 Stones verkünden die »Anthem of the Underdog«, und Disturbed singen von »Pain Redefined«. Am besten fassen allerdings wohl Rise Against in »Under the Knife« die Attitüde der Hauptfigur zusammen:

»Wake me up inside
Tell me there's a reason
To take another step
To get up off my knees
And follow this path of most resistance
And whereever it takes us
Whatever it faces and whereever it leads.« 2008-08-11 12:10
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