Mumienschanz
Von Nils Bothmann
Daß die Vorläufer des Abenteuerfilms vor allem Pulp-Romane und -Kurzgeschichten waren, scheint vielen Filmen dieses Genres außerordentlich bewußt zu sein, denn sie überspielen ihre abgehobenen, teilweise fast hanebüchenen Szenarien mit einer Selbstironie, die so manche Unglaubwürdigkeit vergessen läßt. Vor allem Genreprimus Indiana Jones zeichnete sich bei jedem Auftritt durch diese Qualität aus, wer drauf verzichtete, der drehte
Tomb Raider. Ganz in der Tradition von Indiana Jones präsentierten auch
Die Mumie sowie das Sequel
Die Mumie kehrt zurück selbstironische Abenteuerkost.
Mit siebenjährigem Abstand zum Vorgänger geht nun der dritte Teil,
Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers, an den Start und besinnt sich auf die Qualitäten der Vorläufer. Von Anfang an nimmt sich der Film nicht zu ernst, präsentiert sein an sich im Ruhestand befindliches Heldenehepaar mit einem Augenzwinkern: Er schafft es nicht einmal, Fliegenfischen ohne Schußwaffe zu betreiben, sie vermarktet die vorigen Abenteuer ausgerechnet als Pulp-Romane. Dieser lockere Ton zieht sich durch den Film, gelegentlich ist es fast zuviel der Selbstironie – doch genau in einem solchen Moment läßt
Das Grabmal des Drachenkaisers den Helden fragen »Warum lache ich eigentlich?« und hat das Publikum somit gleich wieder in der Hand.
Die Selbstironie hat
Das Grabmal des Drachenkaisers allerdings auch durchaus nötig, da man das Treiben rund um Kung Fu, untote Terrakotta-Krieger und sogar Yetis kaum ernstnehmen kann. Jedoch ist Rob Cohens Film ehrlich genug, daß er gar nicht mehr sein will als Pulp auf Popcorn-Niveau und eine knapp zweistündige Achterbahnfahrt. Dies gelingt meist recht überzeugend, des hohen Erzähltempos sei dank – nur in der Mitte bricht
Das Grabmal des Drachenkaisers einmal unschön ein, wenn der Film den Zuschauer mit einer übertriebenen Flut von CGI-Effekten beinahe erschlägt. Doch zum Finale schafft er noch die Kurve und präsentiert einen eindrucksvollen Showdown, in dem Computertricks und handgemachte Action eine Symbiose eingehen. Mit dem erfahrenen Stunt Coordinator Vic Armstrong (
Starship Troopers,
Double Impact), der hier als »action director« verantwortlich ist, liegt das Projekt aber auch in fähigen Händen.
Der Regiewechsel von Stephen Sommers zu Rob Cohen macht sich kaum bemerkbar, ein Mainstreamhandwerker ersetzt einen anderen, doch dafür muß sich der dritte Mumienstreich andere Kritik gefallen lassen. Neben dem bereits erwähnten, etwas verhunzten Mittelteil ist es vor allem die typische Hollywoodunart, asiatische Stars für Nebenrollen zu engagieren und dann gnadenlos zu unterfordern. Jet Li stapft den Großteil des Films als computeranimierte Terrakotta-Version seiner selbst durch die Gegend und ist nur zu Beginn und Ende gefragt, Michelle Yeoh kann ihr Talent ebenfalls wenig zeigen, und Russell Wongs Auftritte sind kaum erwähnenswert. Damit verschenkt
Das Grabmal des Drachenkaisers leider Potential, obwohl man vor allem in den Kampfszenen immer wieder auf den asiatischen Einfluß verweist, der den dritten Mumienfilm prägt.