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Factory Girl

USA 2006. R: George Hickenlooper. B: Captain Mauzner. K: Michael Grady. S: Dana E. Glauberman, Michael Levine. M: Edward Shearmur. P: Bob Yari Productions. D: Sienna Miller, Guy Pearce, Hayden Christensen, Jimmy Fallon, Jack Huston, Armin Amiri, Tara Summers, Mena Suvari, Shawn Hatosy, Beth Grant u.a.
91 Min. Kinostar ab 6.8.08

15 Minuten Ruhm

Von Sascha Ormanns »The Factory« bezeichnete die verschiedenen New Yorker Ateliers des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Andy Warhol: Einerseits, weil es sich dabei um alte Fabrikgebäude handelte, andererseits implizierte dieser Begriff die für Warhol typisch industrielle Produktion seiner Kunst. Die Factory war Sammelbecken für die kreative Szene New Yorks, diente jedoch ebenso als Ort für Partys und Wohnort für die verschiedensten Charaktere der Kunstszene. Berühmtheiten wie Bob Dylan, Mick Jagger oder Lou Reed fanden sich hier ebenso ein wie Warhols Künstlerkollegen Salvador Dalí oder Marcel Duchamp.

Titelgebendes Factory-Girl, Stilikone der 1960er Jahre und zeitweise Muse des exzentrischen Andy Warhol, war Edie Sedgwick, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere quasi das Zentrum der Warholschen Künste darstellte: Sie war zu den wichtigsten Partys der Szene geladen und verbrachte ihre Zeit unter anderem mit Bob Dylan und Jim Morrison. Grundelemente für einen interessanten Film wären also durchaus vorhanden, doch vermag es George Hickenlooper nicht, Factory Girl mit der benötigten Tiefe zu erzählen. Es liegt keinesfalls an der Darstellung Sienna Millers, daß die Protagonistin in ihrer Eindimensionalität verharrt: Die ihr gegebenen Szenen füllt Miller mit Ausdrucksstärke und charismatischem Spiel. Obgleich zu sehen ist, was mit Edie Sedgwick passiert, wäre es für den Betrachter durchaus spannend (und wichtig) zu erfahren, warum dies so geschieht. Diese »erklärenden« Momente finden leider nur in zu schwachen Andeutungen statt, obwohl genau solche Sequenzen dringend nötig gewesen wären, um über ein oberflächliches Kennenlernen der Protagonistin hinauszukommen. Leider schafft es Factory Girl dann auch nicht, einen adäquaten Eindruck von der Kunst Andy Warhols und seinem Mikrokosmos zu vermitteln, sondern oszilliert eher planlos zwischen Filmbiographie und mittelmäßigem Absturzdrama.

Drei weitere Probleme für Factory Girl resultieren aus der Figur des namenlosen Musikers, der sich im engen Zirkel Warhols bewegt: Erstens: Es handelt sich derart offensichtlich um Bob Dylan, daß dieser den Film verhindern wollte, weil er sich darin für den Absturz Sedgwicks verantwortlich gemacht fühlte. Zweitens: Gespielt wird der Musiker von Hayden Christensen, der es beileibe nicht vermag, über eine stereotype Rockstardarstellung hinauszukommen. Und drittens liefert sich Factory Girl damit der Gefahr aus, mit I'm Not There verglichen zu werden, der filmisch auf allen Ebenen innovativer und intelligenter daherkommt. Ganz abgesehen davon, daß gleich sechs Schauspieler, allen voran Cate Blanchett, eine bessere Interpretation Bob Dylans abliefern als Christensen.

Drehbuchautor Captain Mauzner, aber auch George Hickenlooper, wären gut beraten gewesen, eine tiefgründigere Geschichte rund um Andy Warhol zu erzählen, denn Guy Pearce mimt eben diesen mit einer Bravour, die voll und ganz zu überzeugen weiß. Er versteht es, Gestik und Mimik dezent einzusetzen und spricht in einem stimmigen Duktus, der sich treffend in die grandiose Rolleninterpretation einfügt. Jedoch wird Factory Girl mit dem gewählten Fokus nicht viel mehr als die von Warhol postulierten 15 Minuten Ruhm einstreichen können und beginnt so aufgrund seiner oberflächlichen Erzählweise schon mit dem Schließen des Kinovorhangs wieder zu verblassen. 2008-08-08 13:58

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