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Die Girls von St. Trinian

St. Trinian's. GB 2007. R: Oliver Parker, Barnaby Thompson. B: Piers Ashworth, Nick Moorcroft. K: Gavin Finney. S: Alex Mackie. M: Charlie Mole. P: Ealing Studios, Fragile Films. D: Rupert Everett, Colin Firth, Jodie Whittaker, Gemma Arterton, Jonathan Bailey, Mischa Barton, Talulah Riley, Caterina Murino u.a.
100 Min. Concorde ab 7.8.08

Anarchie ist machbar, Frau Nachbar

Von Cornelis Hähnel Von wegen Spice Girls als Leitfiguren der englischen Girl Power. Wer schon knappe Outfits, hysterisches Gekicher und inszenierten Exzeß als neue weibliche Selbstbestimmung ansah, lernt jetzt die wirklichen Urmütter der Nation kennen. Bereits 1941 erschien der erste Cartoon von Ronald Searle über das anarchistische St. Trinian’s-Internat, der Legende nach basierend auf Berichten zweier Mädchen über die von ihnen besuchte Schule mit neuen Lehrmethoden. In den 1950er Jahren folgten die ersten erfolgreichen Filme, welche in den nächsten Jahren, wie so häufig, immer krudere Fortsetzungen nach sich zogen.

Jetzt sind die »Girls von St. Trinian« im neuen Jahrtausend angekommen, und es wird, auch auf der diegetischen Ebene, Ehrenrettung betrieben. Die Mädchenschule steht vor dem Bankrott und droht, geschlossen zu werden, wenn nicht ganz schnell 500.000 Pfund aufgetrieben werden. Aber die Girls, firm in organisierter Kriminalität, wissen sich auf ganz eigene Art zu helfen: Ausgerechnet »Das Mädchen mit dem Perlenohrring« von Vermeer wollen sie vor aller Augen aus der National Gallery klauen und verkaufen.

Mit prominenter Schützenhilfe (Rupert Everett, Stephen Fry, Mischa Barton) drehen die Mädels richtig auf. Wild und furchtlos wird hier in rotziger Bubblegum-Optik für Selbstbestimmung gekämpft und die Anarchie zelebriert. Gut, mit wirklichem Feminismus hat das Ganze so viel zu tun wie Avril Lavigne mit Rockmusik, aber sei’s drum. Der Film ist ein absichtlich seltsamer Hybrid, irgendwo zwischen Ocean's Eleven, Addams Family und Clueless. Nach Lust und Laune springt er durch die Genres und zitiert, durchaus selbstironisch, verschiedene Klassiker. Aber gerade dieser wilde Stilmix schafft eine durchaus unterhaltende Sympathie für das pubertäre Treiben. Und vermutlich möchte der Film auch nicht mehr. Wie ein echtes St. Trinian Girl will er halt einfach nur Spaß haben und machen. Und das reicht ja manchmal auch. 2008-08-04 11:16

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #51.

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