— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Die Chroniken von Narnia – Prinz Kaspian von Narnia

The Chronicles of Narnia: Prince Caspian. USA 2008. R,B: Andrew Adamson. B: Christopher Markus, Stephen McFeely. K: Karl Walter Lindenlaub. S: Sim Evan-Jones. M: Harry Gregson-Williams. P: Walden Media. D: Ben Barnes, Georgie Henley, Skandar Keynes, William Moseley, Anna Popplewell, Sergio Castellitto, Peter Dinklage, Warwick Davis u.a.
144 Min. Walt Disney ab 31.7.08

Heute ein Prinz

Von Nils Bothmann 2001 war ein gutes Jahr für Warner, schließlich konnte das Studio hier die jeweils ersten Filme des Herr der Ringe- und des Harry Potter-Zyklus veröffentlichen und Rekordsummen einfahren. Die Konkurrenz wollte dem Studiogiganten da nicht die Alleinherrschaft im Bereich des Fantasyfilms überlassen, und deshalb wird seit einer Weile jede Romanvorlage, die sich nicht schnell genug in Sicherheit bringt, vor die Kamera gezerrt. Besonders übel traf es 2005 den Kinderbuchklassiker »Die Chroniken von Narnia«: Die Vorlage war nicht besonders filmtauglich, weshalb man direkt den zweiten Band »The Lion, the Witch and the Wardrobe« verfilmte, dessen Helden hatten auch mehr Appeal für die »Harry Potter«-Generation. Das Ergebnis war ein grauenhafter Film und besonders unter dem Gesichtspunkt erschreckend, daß Regisseur Andrew Adamson jene Form von üblem Kitsch zelebrierte, den er in Shrek und Shrek 2 noch so treffend parodierte.

Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia wurde trotzdem zum Erfolg, und nun kommt also das kaum vermeidliche Sequel. Basierend auf Buch vier des »Narnia«-Zyklus, denn Buch drei hat zwar eine vernünftige Handlung, aber die Pevensie-Kinder aus dem Vorgänger kommen dort nicht vor, und da wollte man bei Disney lieber kein Risiko eingehen. Im neuen Film werden die vier Geschwister also wieder nach Narnia gezaubert, wo Jahrhunderte seit ihrem ersten Besuch vergangen sind und nun die Armee der Telmariner zum Krieg gegen Narnia aufruft.

Nach dem dramaturgischen Totalausfall des Vorgängers ist Die Chroniken von Narnia – Prinz Kaspian ein wirklich begrüßenswerter Schritt nach vorne, besonders ausgefeilt ist die Geschichte trotzdem nicht. Ähnlich wie das (nur teilweise filmtaugliche) Kinderbuch versucht auch der neue Film die jüngere Zielgruppe nicht zu überfordern und präsentiert eine dementsprechend simple Geschichte vom Kampf Gut gegen Böse, die nur hin und wieder mit ein paar Ambivalenzen aufwarten kann: Sowohl auf Seiten der Telmariner als auch im Lager der Narnianer spielen einige Beteiligte ihr eigenes Spiel. Der Rest des Films dient dann allerdings vornehmlich zur Verbindung von Schlachtszenen und ähnlichen Schauwerten.

Tatsächlich hat Narnia 2 in dem Punkt auch durchaus etwas zu bieten, denn die Kampf- und Massenszenen sind für einen Film dieser Art überraschend eindrucksvoll choreographiert, wobei allerdings mit Hinblick auf die Jüngeren kein Tropfen Blut fließt. An den Klassenprimus Herr der Ringe reicht man dabei natürlich nicht heran, egal wie deutlich die Kameraarbeit in Narnia 2 von Peter Jacksons Trilogie inspiriert sein mag. Im visuellen Bereich fällt dafür auf, daß sich der zweite Narnia-Film erfreulich düsterer ausnimmt und sich damit optisch vom bunten Märchenkitsch des Vorgängers entfernt.

Auch inhaltlich ist Adamsons Film – ähnlich wie seine Hauptfiguren – reifer geworden, einige der Schwachpunkte des ersten Teils finden sich jedoch auch hier: Die Dialoge triefen teilweise nur so vor Pathos, und signifikant verbessert haben sich die Darsteller der Pevensie-Kinder nicht – Georgie Henley nervt z.B. immer noch in jeder Szene, in der sie auftritt.

Letzten Endes ist Die Chroniken von Narnia – Prinz Kaspian etwas besser geraten als Fantasyflops wie Der goldene Kompaß, Eragon oder der katastrophale erste Narnia-Teil. »Besser als« ist jedoch kein Synonym für »wirklich gut«, und so kann man auch dieses Werk bloß im Bereich des Mittelmaßes ansiedeln. Die Geschichte ist simpel, aber funktioniert, der Film hat seine Momente, jedoch bietet er nichts, was man nicht wenige Tage nach der Sichtung vergessen würde. Es fehlt einfach die Hingabe, die hinter einem Werk wie Der Herr der Ringe steht, der allerdings von jemandem geschaffen wurde, der in der Buchvorlage mehr sah als eine potentielle Gelddruckmaschine. Im Falle von »Narnia« hingegen kann man den Kindern getrost raten: Lesen bildet. 2008-07-28 12:06

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap