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Underdogs

D 2007. R,B: Jan Hinrik Drevs. K: Peter Przybylski. S: Nikolai Hartmann. M: Frank Wulff, Stefan Wulff. P: Wüste Film. D: Thomas Sarbacher, Clelia Sarto, Philipp Baltus, Hark Bohm, Ingo Naujoks, Christoph Grunert u.a.
96 Min. Farbfilm ab 24.7.08

Der Elefant und sein Hund

Von Sebastian Gosmann Würde sich tatsächlich jemand erdreisten, ein deutsches Remake von Martin Scorseses Kap der Angst-Remake zu drehen, er sollte Thomas Sarbacher fragen, ob der nicht den Max Cady spielen will. Film machen, »Robert De Niro« aufs Plakat kritzeln – und die Sache ist geritzt. Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend. Das an dieser Stelle nur, um eine ungefähre Vorstellung davon zu geben, von welcher Statur dieser Mosk ist, dessen – böse gesagt – fortschreitender Verweichlichung sich Underdogs auf geradezu zärtliche Weise widmet. Ein Totschläger, tätowiert und muskelbepackt, trifft auf ein unschuldiges, wehrloses Wesen, einen Labrador-Welpen mit dem etwas fantasielosen Namen »Hund«. »Auch nicht schlecht«, so kommentiert Mosks Zellennachbar Döner diese von Lieblosigkeit zeugende Namensgebung. Dabei hatte der Türke gerade so schöne Vorschläge gemacht: Ingrid oder Ilse. Was den Humor angeht, hat der Film das Herz durchaus am rechten Fleck. Zudem kann er sich verlassen auf das – neben dem großartigen Thomas Sarbacher – mit Leuten wie Andreas »Wenn ich Hund wäre, ich würde mich mir wünschen« Mertens sehr und Ingo Naujoks recht ordentlich besetzte Darstellergespann, niedliche Hundebabys und ein Drehbuch, das über zwei Drittel auf irgendwie knuffige Weise der Versuchung standhält, das ohnehin schon unter der Klischeelast des Plots keuchende Szenario vollends in Richtung Kitsch abdriften zu lassen. Aber eben nur zwei Drittel. Was dann kommt, ist an Dreistigkeit und vor allem Unglaubwürdigkeit nur noch schwer zu überbieten. Eine Blinde, die angesichts ihres durch die Hände des liebeskranken Mosk abhandengekommenen Leithundes im strömenden Regen – wie es scheint – tagelang bewegungsunfähig auf einer Parkbank verharrt, verzweifelt auf dessen Rückkehr wartend, das ist einfach zuviel des Guten. Ein Umstand, der Underdogs auf ganz verquere Weise seine Unschuld nimmt. 2008-07-18 11:21

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #51.
© 2012, Schnitt Online

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