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Get Smart

USA 2008. R: Peter Segal. B: Tom J. Astle, Matt Ember. K: Dean Semler. S: Richard Pearson. M: Trevor Rabin. P: Warner Bros., Village Roadshow, Mad Chance Prods. D: Steve Carell, Anne Hathaway, Dwayne »The Rock« Johnson, Alan Arkin, Masi Oka, Ken Davitian, Terry Crews, David Koechner u.a.
110 Min. Warner ab 17.7.08

Spione wie ihr

Von Carsten Tritt Wer sich eine Agentenfilmparodie anschaut, wird von vornherein wohl nichts Neues oder überragend Originelles erwarten. Bevor der Agentenfilm mit Jason Bourne oder dem Casino Royale-Remake mit Daniel Craig sich für eine Art neue Ernsthaftigkeit entschied, trug er selbst einen eher humoristischen Ton, am offensichtlichsten wohl in den Bond-Filmen von Roger Moore, die weitestgehend auf Realitätsbezug verzichteten. Selbst bei Harry Palmer, dessen vor allem erstes Abenteuer durchaus seriöse Züge hatte, trug die Ironisierung des Genres erheblich zum Gelingen der Reihe bei. Bei manchen Bond-Epigonen, wie der »Kommissar X«-Reihe, war vermutlich sogar manchem Zuschauer nicht klar, ob das Ergebnis noch als Actionfilm oder schon als reine Komödie gemeint war. Seither gibt es jedoch unzählige reine Parodien, deren alleinige Summe vielleicht nicht immer den künstlerischen Wert, zumindest aber die finanzielle Lukrativität dieses Subgenres beweist: Die Casino Royale-Verfilmung aus den 60ern, Operation Kleiner Bruder mit Seans jüngerem Bruder Neil Connery, dreimal Austin Powers, Agent Null Null mit Leslie Nielsen und Agent Null Null Nix mit Bill Murray, um nur einige zu nennen. Das Strickmuster ist bei sämtlichen Filmen recht identisch. Im Grunde wird einfach der unterste Standard des Agentengenres adaptiert, erzählt also wird die Geschichte vom Agenten, der den weltbedrohlichen Superschurken und seine Schergen besiegen muß und dabei noch das Herz der schönen Frau erobert. Dabei wird die Figur des professionellen Topagenten durch einen Tolpatsch ausgetauscht, so daß die Komik durch das hieraus entstehende Mißverhältnis zwischen Idealvorstellung und Sachlage folgt.

Bei solchen nach dem Baukastenprinzip erstellten Komödien ergibt sich der Unterhaltungswert folglich zum einen daraus, wie es dem Protagonisten, der ja zugleich eigentlich der Fremdkörper in dem Film ist, gelingt, seine Figur unterhaltsam genug zu gestalten, um das Interesse das Publikums über mindestens 90 Minuten aufrechtzuerhalten, zum zweiten aus der Qualität der Einzelnummern und Scherze, die der Film aneinanderreiht.

Wichtig ist hierbei freilich auch, wie das Zusammenspiel mit den anderen, nicht selten ernsthafteren Pro- und Antagonisten funktioniert, bzw. inwieweit diese, sowie die üblichen Bestandteile des Genres selbst, Interesse zu wecken in der Lage sind. Wenn Komik etwa ganz wesentlich durch Timing funktioniert, so ist, wenn nicht auf sämtliche Elemente außer der Komik verzichtet wird, nicht nur das Timing der einzelnen Szene relevant, sondern auch das Timing im Wechsel zwischen Comedy- und anderen, bei Get Smart insbesondere Action-, Elementen entscheidend. In letzterem ist Get Smart, obwohl insgesamt nicht überragend komisch, freilich beispielhaft gut gelungen.

Bei dem Film handelt es sich, wie bekannt sein dürfte, um die Adaption einer populären Fernsehserie aus den 60ern, die in Deutschland als »Mini-Max oder die unglaublichen Abenteuer des Maxwell Smart« bekannt wurde. Die Titelrolle hat für die Verfilmung der bei uns wohl noch mäßig bekannte Steve Carell übernommen, der beim US-Publikum durch seine Auftritte in The Daily Show sowie in der US-Version von The Office beliebt ist. Carell legt seine Version der Titelfigur etwas seriöser und intelligenter an als das Serienvorbild. Sein Maxwell Smart arbeitet zunächst als Analytiker und wird dann zum Geheimagenten befördert, eine Rolle, der er durchaus gewachsen wäre, wenn er etwas weniger unerfahren wäre. Als Stichwortgeberin und Liebesinteresse steht ihm wie auch in der Serie die erfahrenere Agentin 99 zur Seite, im Film verkörpert durch Anne Hathaway. Carell füllt hierbei seine Figur recht gut aus, bringt seine Pointen gezielt unter, kann aber auch damit die weitestgehende Mittelmäßigkeit des Witzmaterials nur unvollkommen überdecken.

Hinzu kommt, daß der Witz durch die deutsche Synchronisation nicht wirklich unterstützt wird. Carells Sprecher (Lutz Schnell) macht seine Sache gut, aber das deutsche Buch hat, wie übrigens zahlreiche Synchronisationen in den letzten Jahren, erhebliche Probleme, den Humor des Originals ins Deutsche zu transportieren. Sicher mag es verzeihlich sein, wenn aufgrund der grammatikalischen Unterschiede der beiden Sprachen das Timing nicht immer genau stimmen kann. Allerdings leistet sich die Synchronisation auch manchen Bock, etwa indem sie versucht, ein Wortspiel mit »Yellowcake« als Teekesselchen einfach – unter Beibehaltung des englischen Fremdwortes – in die Übersetzung zu adaptieren: Der Fachbegriff »Yellowcake« für Uranverbindungen mag ja manchem noch bekannt sein und wird auch kurz erläutert. Wenn dann aber der Protagonist bei Betrachtung eines gelben Geburtstagskuchens erwähnt, das sei ein »yellow cake«, wirkt die Einfügung der englischen Worte in einen deutschen Satz völlig unnatürlich und gekünstelt und ist somit nicht nur unkomisch, sondern äußerst störend, als das mißglückte Wortspiel den Zuschauer auch noch sinnlos aus dem Erzählfluß reißt. Eine gute Synchronisation hätte hier, statt vergeblich zu versuchen, das Original zu adaptieren, ein eigenes, neues Wortspiel oder einen anderen Scherz eingeführt, und wenn dies nicht gelungen wäre, auf den sowieso nur bedingt lustigen Jux in der deutschen Fassung einfach verzichtet. Freilich liegt der Grund für solche Fauxpas vor allem daran, daß die Studios nicht nur bei den Synchronisationen immer mehr sparen, sondern daß aufgrund der Wünsche der Verleiher, den Film möglichst weltweit gleichzeitig zu starten, auch immer weniger Zeit für eine saubere Übersetzung bleibt.

Trotz der im sowohl im Original bereits vorhandenen als auch in der deutschen Fassung hinzugekommenen Makel erzielt Get Smart insgesamt einen zwar anspruchslosen, aber fast durchweg angenehmen Unterhaltungswert. Das verdankt der Film zum großen Teil seiner Besetzung – neben dem mehr als soliden Carell ist vor allem noch Terence Stamp, der einen mitreißenden Bösewicht gibt, zu erwähnen, zudem James Caan als US-Präsident. Insbesondere aber dürfte dafür, daß der Film nicht scheitert, die Regie von Peter Segal verantwortlich sein. Segals Spielfilmdebüt erfolgte 1994 mit Die Nackte Kanone 33 1/3, es folgte der schöne Chris-Farley/David-Spade-Schenkelklopfer Tommy Boy, zuletzt drehte er drei Adam-Sandler-Komödien.

Wenn man bedenkt, mit welcher offensichtlichen Arbeitsverweigerung seiner Drehbuchautoren Segal es in Get Smart zu tun hatte, mag man seine Leistung nicht hoch genug schätzen. So wurde zur Dramatisierung des Stoffes auch vor den ärgerlichsten Plattheiten nicht zurückgeschreckt. Es gibt natürlich wieder einen Handlungsstrang, in welchem der Held ungerechter- und uninteressanterweise zu unrecht verdächtigt und verhaftet wird, auch die Szene, wo der Protagonist kurz mal tot geglaubt wird, soll nicht fehlen. Segal schafft es, sich von solchen Elementen nicht stören zu lassen, so daß sie weder betont noch auffallend unterinszeniert sondern weitestgehend einfach übergangen werden. Als der Totgeglaubte etwa ein paar nicht sonderlich dramatische Sekunden später wieder auftaucht, wird das nicht groß erklärt, sondern nur gesagt, daß das eben knapp gewesen sei gerade. Was dazu noch an weggelassenem Dialog im Drehbuch gestanden haben mag, will man dann auch gar nicht mehr wissen.

Segal inszeniert stattdessen die wenigen – übrigens sehr gelungen geschnittenen – Actionsequenzen sauber und attraktiv und verbindet diese mit den komödiantischen Aspekten dergestalt, daß es hier keinerlei bruchhafte Übergänge gibt, sondern ein einheitlicher, nicht völlig auf Komik, sondern auch stark auf Spannungsaufbau setzender Grundton des Films gefunden wird. Das macht den Film zwar immer noch nicht zu einem herausragenden Kunstwerk, jedoch zu einem perfekten Beispiel dafür, was ein guter Handwerker durch saubere Taktung von komödiantischem Timing und Action-Timing aus einer schwachen Vorlage noch herausholen kann. 2008-07-14 10:29

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