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Mamma Mia!

USA/GB 2008. R: Phyllida Lloyd. B: Catherine Johnson. K: Haris Zambarloukos. S: Lesley Walker. M: Benny Anderson, Björn Ulvaeus. P: Littlestar Productions, Playtone. D: Meryl Streep, Pierce Brosnan, Amanda Seyfried, Julie Walters, Christine Baranski, Dominic Cooper, Colin Firth, Stellan Skarsgård u.a.
109 Min. Universal ab 17.7.08

Absolutely Fabulous

Von Kyra Scheurer Die Filmkritik stellt ihre Autoren ein ums andere mal vor eine nicht zu unterschätzende Herausforderung: Es gilt, ein Synonym für das schnöde Werkbezeichnungswort »Film« zu finden. Wer scheitert, schreibt »Streifen«. Wer weitersucht, guckt in die Genre-Kiste. Und da haben sich im Falle der Hollywood-Adaption des Bühnenwelterfolgs der schwedischen Poplegende ABBA, des abendfüllenden Stoßgebets »Mama Mia!«, einige zauberhafte Synonymvarianten versammelt – sogar ein »Sommermärchen« schlummert zwischen dem leicht vergilbten »spritzigen Leinwandspaß« und der klassischen »beschwingten Verwechslungskomödie«. Am treffendsten aber ist ausnahmsweise der Anglizismus: Denn wenn ein Terminus hier paßt, dann der »No-brainer«.

Gegen diesen zuckersüßen Songreigen mit angenehm herben Ironie-Fußnoten ist nämlich sogar Sex and the City eine authentische Milieustudie: Wenn der auf den Trauminseln Skopelos und Skiathos gedrehte Film schließlich nach runden 20 ABBA-Hits und der glückseligen Vereinigung so ziemlich aller möglichen Paarkonstellationen im Nachthimmel zur Ruhe kommt, mag sich bei manch einem das Bedürfnis nach heftigem Punkrock einstellen – gut gelaunt und bestens unterhalten wird aber heimlich doch jeder sein.

Die schlichte Handlung als Rahmen der ohnehin narrativen ABBA-Titel ist schnell erzählt, und auch über das biedere Inszenierungskonzept der Original-Broadway-Mannschaft um Kino-Debütantin Phyllida Lloyd müssen nicht viele Worte verloren werden:

Die 20jährige Sophia will heiraten. Ihr sehnlichster Wunsch ist, daß ihr Vater sie zum Altar führt. Blöd, daß sie nicht weiß, wer ihr Vater ist. Das alte Tagebuch ihrer Mutter gibt Aufschluß über einen wilden Sommer vor 21 Jahren – und über drei mögliche Vaterschaftskandidaten. Sophia lädt alle ohne Wissen ihrer Mutter ein, und wie durch ein Wunder taucht die Männermannschaft gemeinsam am Tag vor der Hochzeit auf und stiftet Verwirrung allorten.

Daß der Film trotz allem auch für denkende Individuen ohne krankhaften ABBA-Fimmel bestens funktioniert, liegt am mangelnden Ernst, mit dem alle Beteiligten dem Gesamtwerk begegnen. Vor allem lebt Mamma mia! von der immensen, immer mit ironischem Augenzwinkern garnierten Spielfreude der älteren Schauspielergeneration, allen voran der zauberhaften Meryl Streep als »Mamma« Donna. Deren wilde Tage mit »Donna and the Dynamos« sind nicht so lange her, wie sie selbst gedacht hätte, und gemeinsam mit ihren alten Bandkolleginnen dominiert das situationskomisch und im Timing perfekt pointierte Verlangen der Big Girls nach Fun klar das blutleere Spiel der jungen »Generation Kitsch«. Während bei den Frauen die Sidekicks kongenial mit Christine Baranski, der sarkastischen Alkoholikerin aus Cybill, und der musicalerfahrenen Julie Walters besetzt sind, stehen dem charmant gealterten Pierce Brosnan der Charakterdarsteller Stellan Skarsgard (Breaking the Waves) und Colin Firth (Bridget Jones) als weitere »Drittel-Väter« zur schwimmringgezierten Seite.

Dankenswerter Weise haben die Produzenten, unter ihnen die ABBA-Bs Benny Andersson und Björn Ulvaeus, die Originalstimmen der Schauspieler nicht im Computer geglättet, und man kann hören, wenn Pierce Brosnan pressend versucht, wenigstens sexy zu klingen, und sogar die im Ganzen sehr ordentliche Sängerin Streep bei manchen Höhen dann doch ins Trudeln gerät. Hier bekommt der sonst so glatte Film – ähnlich wie in den nicht en detail perfekten Choreographien – den nötigen Grad Authentizität um seinen vollen Charme entfalten zu können. Besonders die Zugabe ist hier erwähnenswert: Meryl Streep fragt nach Ende der eigentlichen Handlung in die Kamera, ob mehr gewünscht wird, und es folgt eine skurrile Version von »Waterloo« mit den ältlichen Jungs, allen voran Mr. Bond, James Bond, auf Plateaustiefeln und im Glitzerfummel. Mamma mia – that’s entertainment! 2008-07-14 13:04

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