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Married Life

USA/CDN 2007. R,B: Ira Sachs. B: Oren Moverman. K: Peter Deming. S: Affonso Goncalves. M: Dickon Hinchliffe. P: Sidney Kimmel Entertainment u.a. D: Pierce Brosnan, Chris Cooper, Patricia Clarkson, Rachel McAdams, David Richmond-Peck, Carrie-Anne Fleming, Erin Boyes, Timothy Weber u.a.
90 Min. Central ab 10.7.08

Lieber tot als geschieden

Von Kerrin Devos Harry Allen ist ein verantwortungsbewußter Mann. Er verehrt und respektiert seine Frau, sein altes Romantikerherz liebt und begehrt jedoch die junge, schöne Kay. Aus diesem Dilemma sieht er nur einen Ausweg, um seiner Frau Pat die Schmach des Verlassenwerdens zu ersparen: Er will sie, bei aller Liebe, mal eben um die Ecke bringen.

In der gefälligen Szenerie wohlsituierter Kreise wartet dieser Film mit einem Fragenkatalog für Bindungsscheue auf: Wie viel Verantwortung müssen wir für andere übernehmen? Wie frei können wir unsere Entscheidungen treffen? Ist die Ehe ein Konzept, das uns in ein Netz aus Schuldgefühl und Rücksichtnahme verstrickt? Und ist Moral der Kleber, der alles zusammenhält? Oder braucht es nur ein wenig Mut und Einfallsreichtum, um den schönen Schein zu wahren und trotzdem glücklich zu werden?

Daß der Film in den späten 1940er Jahren spielt, scheint zunächst darauf hinzudeuten, daß diese Fragen heute so nicht mehr gestellt werden. Zwar sind die Themen nicht veraltet, aber die Problemlösungsstrategien der Figuren spiegeln einen verzweifelten Kampf gegen ein übermäßig starkes moralisches Verantwortungsgefühl wider. Wer käme denn heute noch auf die Idee, eine Portion Gift zusammenzumischen, nur um sich den Weg zum Scheidungsanwalt zu ersparen? Trotzdem wirkt die gewählte Zeit eher wie ein parabelhaftes Augenzwinkern. Natürlich geht es um moderne Konflikte, die vor einer Kulisse aus Sammeltassen und Tütenlampen ausgetragen werden. Das zeigt sich nicht zuletzt an den weiblichen Figuren, die sich, ihrer Zeit voraus, selbstbewußt eigene Entscheidungen leisten dürfen.

Ein Film vor allem fürs Auge: eine platinblonde Rachel McAdams, makellose Bilder, detailverliebte Ausstattung. Wo es in Dem Himmel so fern (der Vergleich liegt in vielerlei Hinsicht nahe) unter der Oberfläche heftig brodelt, reicht es bei Married Life höchstens zu einer leicht gekräuselten Oberfläche.

Zwar fällt die Beantwortung der zentralen Fragen etwas enttäuschend aus, aber Ira Sachs gelingt ein kurzweiliger Genremix aus Schwarzer Komödie, Thriller und Ehedrama, der unverfroren bei Hitchcock anleiht, ohne jedoch zu einer billigen Kopie zu werden und ohne den Anspruch, es besser machen zu wollen. 2008-07-04 11:35

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