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Kung Fu Panda

USA 2007. R: Mark Osborne, John Stevenson. B: Jonathan Aibel, Glenn Berger. K: Duk Jhun Yong. S: Clare De Chenu. M: Hans Zimmer. P: Dreamworks.
92 Min. Universal ab 3.7.08

Die lustige Welt der Tiere

Von Jakob Stählin Nach gefühlten tausend knuffeligen Mäuschen, tapsigen Pinguinen und flauschigen Bienchen, die sich durch herrlich animierte, aber meist karg inszenierte Slapstickfilme hangelten, erfreut es immerhin, daß mit Kung Fu Panda endlich mal ein Film den Bierernst seines eigenen Genres zu karikieren sucht und schon durch seine Marketingkampagne mit Vollgas gegen die Wand fährt. Der Titel und die Werbezeile sind so bescheuert, daß man das Schlimmste befürchten mußte. Richtig »pandastisch«, wie das Plakat verspricht ist es leider trotzdem nicht geworden.

Durch einen Zufall wird Po, ein fetter ungelenker Panda, zum auserwählten Krieger, und soll seine Heimat vor einer bösen Martial Arts-affinen Raubkatze beschützen. Soweit so gut. Der Rahmen für ein Feuerwerk aus platten Tollpatschwitzen ist also geschaffen, und deren Timing ist meist überraschend gut, manche Pointen werden gar herrlich stumpf ausgereizt. Doch im Grunde ist an der braven Animationsfront immer noch Frieden: Eine Wand existiert, um dagegenzurennen. Die weitere Handlung ist nicht der Rede wert, denn wie es bei Trickfilmen oft so ist, steht »Setting over Substance«. Dennoch punktet Kung Fu Panda stellenweise, denn seine zwar raren, aber immerhin vorhandenen großen Momente, die tiefgehenden Lacher erreicht der Film durch zwei tragende Unterschiede zu seinen Genrepartnern. Wo andere Animationsfilme gerne mit der Mensch-Tier-Beziehung spielen und so zu komischen Situationen gelangen, läßt Kung Fu Panda erst gar keine (tatsächlichen) Menschen zu. Zum anderen ist inszenatorisch endlich einmal die Freiheit genutzt worden, die der Animation größtes Geschenk ist: Grenzenlosigkeit in der Bildgestaltung. Beim Betrachten des mittlerweile zurecht vergessenen CGI-Debakels Final Fantasy – Die Mächte in dir des Videospieleherstellers Square, der mit Realismus beeindrucken wollte, blieb unverständlich, warum um Himmels Willen das alles so aussieht, als hätte man es zunächst real gedreht und anschließend am Rechner neu gefilmt. Erwartungsgemäß schlug der angestrebte Realitätsanspruch gnadenlos fehl, und die Businessgrößen Pixar & Co. waren ohnehin dem treu, was deren Animation meist auszeichnete: familientauglich hergeleitete Moralfloskeln aus dem Munde süßer Tiere.

Zwar ist der Ideenreichtum und die Detailverliebtheit in der Bildgestaltung vieler Animationsfilme nicht zu leugnen, letztlich bleibt dennoch lediglich ein netter Ansatz, der oft Andersartigkeit verspricht, um schließlich doch die Kurve zur Schablonenhaftigkeit zu kriegen. In Kung Fu Panda hingegen fliegt die virtuelle Kamera wie ein Flummi umher, fährt durch Wände, schabt an der Haut und schießt wieder hinfort. Kinder werden begeistert sein und gutbürgerliche Eltern ebenso, denn neben den Schauwerten und dem – im Originalton sicher treffsichereren – Wortwitz versöhnt der Film mit einer netten unaufdringlichen Botschaft, die er auf Umwegen erarbeitet: Ein Ziel kann durch mehrere Wege erreicht werden, wenn man sich nur auf seine Stärken besinnt. Gesagt, getan, und so ist es schlußendlich zwar wieder die süße alte Leier, doch im Kindchenschema wird diesmal vor allem der Bösewicht gezeigt. Immerhin. 2008-06-27 14:59

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