— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Hancock

USA 2008. R: Peter Berg. B: Vincent Ngo, Vince Gillian. K: Tobias A. Schliessler. S: Colby Parker Jr., Paul Rubell. M: John Powell. P: Columbia Pictures, Overbrook. D: Will Smith, Charlize Theron, Jason Bateman, Adam Del Rio, Jameson Dixon Jr., Daeg Faerch, Valerie Azlynn, David Mattey u.a.
92 Min. Sony ab 3.7.08

Ist es ein versoffener Vogel? Nein! Ist es…

Von Nils Bothmann Häufig verrät ein Trailer fast die komplette Geschichte eines Films, zumindest in ihren Grundzügen. Auch bei den Hancock-Vorschauen sah dies zuerst so aus, doch bei Sichtung des Films erlebt man eine freudige Überraschung: Der Trailer buchstabiert die erste Hälfte des Films aus, danach beginnt jedoch eine neue Geschichte, von der man in der Werbung nie erfahren hat.

Diese Freude ist leider mit dramaturgischen Schwächen verbunden: Die Bösewichte des Films bleiben allesamt so nebensächlich, daß sie im Schwarzeneggerfilm bereits nach zehn Minuten erschossen worden wären, und auch einen wirklich klassischen Mainplot kann man inmitten dieser verschiedenen Geschichten nicht ausmachen. Damit verärgerte Hancock schon einige Kritiker und Testseher, jedoch sind es genau jene Brüche, die Peter Bergs Superheldenfilm wirklich interessant machen. Selbst das im Trailer groß angekündigte Konzept der actionreichen Heldenparodie kommt kürzer als erwartet. Leinwandtauglichen Krawall gibt es nur hin und wieder, die Figur des Helden Hancock als Superman-Variante im Pennbruder-Outfit ist schon der parodistischste Zug des Treibens. Das ist trotzdem amüsant, zumal Hancock sich passagenweise traut, politisch unkorrekter zu sein als manch anderer Blockbuster: Der Protagonist beantwortet den Vorwurf »I can smell the liquor in your breath« einfach mit »Because I've been drinking, bitch«. Jedoch fällt relativ schnell auf, daß Hancock, aller humoristischen Seitenhiebe zum Trotz, seinen Helden erstaunlich ernstnimmt.

Tatsächlich handelt ein großer Teil von Peter Bergs Film Hancocks Problem des Andersseins ab – ähnlich wie z.B. Bryan Singers X-Men. Dabei geht Berg fast schon antiklimaktisch vor, liefert Hancocks Wandlung zum sozialverträglichen Superhelden und die meisten Actionszenen schon in der ersten Halbzeit, um schließlich ein Drama abzuliefern, das Hancocks Herkunft und seine Suche nach Antworten beleuchtet. Und ähnlich wie Spiderman und Co. muß auch Hancock am Ende lernen, daß ein Superheld fürs Gemeinwohl Verzicht und Selbstaufopferung üben muß.

Daß Hancock trotz dieser gewöhnungsbedürftigen Dramaturgie noch funktioniert, liegt unter anderem an der Regie. Und zwar nicht an einer starken Handschrift, sondern viel eher an Bergs Art als Regie-Chamäleon: Ähnlich wie das Script die Tonart wechselt, so gestaltet auch Berg jeden Teil des Films im Stil des entsprechenden Genres und versucht gar nicht erst, sie einer klaren Linie unterzuordnen. In den Charakterszenen filmt er z.B. aus der Nähe und oft mit Handkamera, ähnlich wie Michael Mann, die Actionmomente hingegen haben etwas von Michael Bay. So betont Hancock die merklichen Brüche des Films nur noch, anstatt vergeblich zu versuchen, sie zu überspielen.

Von daher wird Hancock nicht nur Freunde finden, zumal die dramaturgischen Schwachpunkte auch bei wohlwollender Betrachtung evident sind, doch interessanter als glattes, gelackt-langweiliges 08/15-Kino der Marke Fantastic Four ist er auf jeden Fall. Zudem funktionieren die einzelnen Geschichten des Films in sich, und mit Will Smith hat der Film einen Star an Bord, der auch Blockbusterkino eine gewisse schauspielerische Dimension zu verleihen weiß. Sein Hancock ist ein etwas anderer Held – so wie Bergs Hancock ein etwas anderer Heldenfilm ist. 2008-06-27 13:06

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap