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Charlie Bartlett

USA 2007. R: Jon Poll. B: Gustin Nash. K: Paul Sarossy. S: Alan Baumgarten. M: Christophe Beck. P: Sidney Kimmel Entertainment, Everyman Pictures, Texon Entertainment, Permut Pres. D: Anton Yelchin, Robert Downey Jr., Hope Davis, Kat Dennings, Tyler Hilton, Mark Rendall, Dylan Taylor, Megan Park, Jake Epstein, Jonathan Malen, Derek McGrath, Stephen Young u.a.
97 Min. Central ab 26.6.08

About a boy

Von Daniel Bickermann Die distinguierten, leicht derangierten Lebemänner am Rande des Nervenzusammenbruchs spielt keiner wie Robert Downey Jr. Man gebe dem Mann eine Flasche Schnaps, ein ferngesteuertes Spielzeugboot im Pool und eine Knarre, und siehe da: Ganze Szenen entwickeln sich wie von selbst.

Anton Yelchin, ein in jeder Hinsicht erstaunliche Newcomer, kann sich eine beeindruckende erste Stunde lang durchaus auf Augenhöhe mit dem Meister bewegen: In einer wunderbaren Szene über die Gefahren der Ritalin-Überdosierung zeigt er breiten Slapstick ebenso wie im restlichen Film feinste Nuancierung, und sein schauspielerischer Rhythmus bezeugt, daß er ganz nebenbei ein musikalisches Wunderkind ist. Ach ja, Singen, Tanzen und Dialekte kann er auch.

Zu schade, daß sich beide ausgerechnet in diesem Film treffen, der auf der vielversprechenden Rushmore-Schiene beginnt, aber knapp nach der Hälfte abrupt jeglichen Mut verliert. Denn die Mär vom reichen Snobschüler, der auf einer öffentlichen US-Schule mehr oder minder freiwillig in die Position des psychologischen Beraters und schließlich auch Medikamentenverteilers seiner gestreßten Mitschüler gerät, fällt nach langer Aufblasarbeit derart schnell in sich zusammen, das man meinen könnte, eine Elterngruppe hätte irgendwo einen Nagel reingehauen. Aus dem politisch unkorrekten Spaß, komplett mit Harold und Maude-Zitaten und obligatorischer Eels-Musik wird im Handumdrehen ein moralinsaueres Rührstück darüber, was man alles nicht machen sollte, wenn man ein braver Junge sein will. Man stelle sich ein Ferris macht blau-Remake vor, oder noch besser: eine Pump Up the Volume-Neufassung, bei der der Held nach einer Stunde geschnappt wird und den Rest des Films mit Reue und Reflexion zubringt. Langweilig.

Es gibt neben Downey Jr. und Yelchin noch viele weitere Gründe, warum diese Filmwendung schade ist: Von der wie immer hinreißenden Hope Davis bis zum spät im Film aufgedeckten familiären Hintergrund des Jungen, der nicht nur überraschend, sondern auch überraschend ernst ist. Aber es hilft alles nichts, selbst die beschwingte, sorgenfreie Inszenierung ersäuft letztlich in der eigenen Zeigefingermoral. Dabei hätte man mit der Kamera doch nur bei Robert Downey Jr. bleiben müssen, mit seiner Pulle Sprit, seinem Spielzeugboot und seiner Knarre. Alles hätte so einfach sein können. 2008-06-23 11:47

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