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Ein einziger Augenblick

Reservation Road. USA 2007. R,B: Terry George. B: John Burnham Schwartz. K: John W. Lindley. S: Naomi Geraghty. M: Mark Isham. P: Focus Features. D: Joaquin Phoenix, Jennifer Connelly, Mark Ruffalo, Mira Sorvino, Elle Fanning, Sean Curley, Gary Kohn u.a.
102 Min. Tobis ab 19.6.08

Unentschieden

Von Sascha Ormanns Was ist Schuld? Ein Mensch kann dann als schuldig bezeichnet werden, wenn er gegen eine sittliche, ethisch-moralische oder gesetzliche Wertvorstellung verstoßen hat: sowohl bewußt als auch fahrlässig. Zumeist ist jedoch anzunehmen, daß der Schuldige die Wahl hatte, die als verwerflich definierte Tat zu unterlassen. In der Philosophie wird für die Schuldfähigkeit einer Person häufig seine Willensfreiheit vorausgesetzt, doch läßt sich keinesfalls eine allgemeingültige Definition dazu ausmachen; fraglich ist, was freier Wille genau bedeutet: frei wovon? Kann ein Mensch tatsächlich eigenständig entscheiden oder wird er immer durch äußere Umstände beeinflußt? Der Determinismus geht gar davon aus, daß alle Ereignisse nach feststehenden Gesetzen ablaufen, was die Schuldfähigkeit eines Menschen ad absurdum führen würde.

Zwar ist das Schuldprinzip gesetzlich weitestgehend geklärt, die Ansichten der Menschen differieren jedoch stark, vor allem bei der Bestrafung von etwaigen Verstößen (so ist die Todesstrafe eines der meist diskutierten Themen überhaupt). Schuld und Sühne sind vielbehandelte Topoi in den unterschiedlichsten Bereichen, so auch in der Kunst: Aufgrund des allgemeinen Interesses dürfte somit auch das Vorhandensein zahlreicher Filme mit diesem Inhalt erklärt sein. Häufig ist die Intention eines Films eindeutig auszumachen – und nicht gerade selten läßt sich der Umgang mit diesem Thema zumindest als fraglich bezeichnen. Mit Ein einziger Augenblick kommt jetzt ein weiterer Schuld-und-Sühne-Film in die deutschen Kinos, bei dem der Regisseur jedoch nicht Stellung bezieht. Terry George behandelt die Geschichten von Opfer und Täter gleichberechtigt und vermeidet es, den Zuschauer zu manipulieren.

Ein einziger Augenblick ist die Verfilmung des Buches »Eine Sekunde nur« von John Burnham Schwartz, er und Terry George erarbeiteten das Skript zum Film gemeinsam. Herausgekommen ist dabei ein eher durchschnittliches Drehbuch, das allzu häufig den Zufall für sich bemüht und dadurch – zumindest partiell – zu konstruiert daherkommt. Großartig sind unterdessen die schauspielerischen Leistungen: Vor allem in Joaquin Phoenix und Mark Ruffalo finden die Filmemacher ein auf allen Ebenen überzeugendes Darstellerensemble, das wirklich zu begeistern weiß. Dankbar muß man auch dem Setdesign sein, das es bravourös versteht, die Figuren auszustatten, und so in der Lage ist, ihnen mehr Tiefe und vor allem Glaubwürdigkeit einzuverleiben. Die von Kameramann John Lindley fotographierten Bilder sind wirklich schön anzuschauen und treffen immer den richtigen Ton, vermeiden es jedoch, aufdringlich zu wirken, um nicht vom Genuß der darstellerischen Leistungen abzulenken. Jedem Kinogänger, der sich gerne vom Schauspiel zweier hervorragender und gut inszenierter Darsteller beeindrucken lassen möchte, die inhaltlichen Konstruiertheiten verzeihen kann, dem sei Ein einziger Augenblick vorbehaltlos empfohlen. 2008-06-17 18:02

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