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Die Insel der Abenteuer

Nim's Island. USA 2008. R,B: Jennifer Flackett, Mark Levin. B: Paula Mazur, Joseph Kwong. K: Stuart Dryburgh. S: Stuart Levy. M: Patrick Doyle. P: Film Farm, Walden Media. D: Abigail Breslin, Jodie Foster, Gerard Butler, Morgan Griffin, Jay Laga'aia, Alphonso McAuley, Christopher Baker, Sean Keenan, Peter Callan u.a.
96 Min. Universal ab 19.6.08

Der Neurosen-Krieg

Von Sebastian Gosmann Ob in David Finchers Panic Room, in Robert Schwentkes Flightplan – Ohne jede Spur oder – zuletzt – in Neil Jordans Die Fremde in dir; immer wieder geriet Jodie Foster in den letzten Jahren als Opfer eines schrecklichen Kapitalverbrechens in seelische und/oder körperliche Extremsituationen, denen sie sich ein ums andere Mal – wenn auch nicht furchtlos, so doch stets kämpferisch – entgegenstellte.

Nach all diesen Strapazen hatte man der zierlichen Frau von Herzen gewünscht, daß das nächste Projekt ihr Nervengerüst zur Abwechslung mal verschonen würde. Die Tatsache, daß es sich dabei um einen Abenteuerfilm für Kinder mit dem harmlos klingenden (Original-)Titel Nim’s Island handelt, bedeutet jedoch keinesfalls, daß die Foster sich dieses Mal nicht zu Tode ängstigen müßte – wenngleich die Auslöser ihrer Panikattacken hier eher auf psychische Defekte zurückzuführen sind denn auf die Bedrohung durch gewissenlose Schurken. Als Romanautorin Alexandra Rover scheint sie unter so ziemlich jeder neurotischen Störung zu leiden, die die moderne Medizin heute kennt: Flugangst, Hygienefimmel, diverse soziale Phobien und – als Klassiker – die Angst vor Spinnen haben längst das Ruder übernommen und machen ihr mittlerweile gar den kurzen Gang zum eigenen Briefkasten unmöglich. Ein seelischer Zustand, der gefundenes Fressen ist für eine hochmotivierte Schauspielerin, die sich jede Komödienbeteiligung quasi erbetteln muß. Und es macht durchaus Spaß, der auf Dramen und Thriller abonnierten Foster in ihrer ersten dezidiert komischen Rolle seit Maverick (vor zwölf Jahren!) zuzuschauen, auch wenn dieses ohne Frage ergiebige Motiv als nahezu einzige Quelle der (zumeist als Slapstick zutagetretenden) Komik im Plotverlauf derart ausgeschlachtet wird, daß die Hysterie dieser Figur und das damit einhergehende Overacting jedem erwachsenen Zuschauer irgendwann gehörig auf den Geist gehen dürfte. Die anvisierte Zielgruppe hingegen wird vermutlich ihren Spaß haben an der spleenigen Autorin, die sich nach und nach all ihren Ängsten stellen muß, um Freiheit zu erlangen; die zentrale pädagogische Botschaft des Films. Aber es gibt noch mehr zu lernen für die kleinen Kinogänger. Heutzutage darf es sich eine im Paradies auf Erden verortete Geschichte schließlich nicht nehmen lassen, mit gebotenem Nachdruck auf die vom zivilisierten Menschen ausgehende Bedrohung des ökologischen Gleichgewichts zu verweisen, welche hier in Form fettleibiger und umweltverschmutzender, ergo unsympathischer Touristen ihren didaktisch wertvollen Ausdruck findet.

Das junge Publikum wird sich allerdings vor allem für das fleischgewordene Identifikationspotential des Films, Abigail Breslin als heldenhafte Nim, interessieren. Wenn sie mit ihrer Seilbahn vom Baumhaus gen Strand schwebt, dürfte sich so ziemlich jedes elfjährige Kind umgehend zu ihr auf die Insel wünschen. Und wenn die Kleine zur Party lädt, stehen Seelöwe, Leguan und Pelikan als erste auf der Matte – bleiben allerdings auch die einzigen Gäste. Eine Tatsache, die traurig stimmen könnte, aber gottseidank kennt Nim weder Langeweile noch Einsamkeit – genauso wie Forscherpapa Jack, dessen sexuelle Bedürfnisse wohl zusammen mit seiner geliebten Frau vom Pazifischen Ozean verschluckt worden sein müssen. Zum Glück haben die beiden Internet. 2008-06-17 15:55
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