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The Elephant King

USA/THA 2006. R,B: Seth Grossmann. K: Diego Quemada Diez. S: Lee Chatametikool, Inbal B. Lessner. M: Adam Balazs. P: Unison Films. D: Ellen Burstyn, Tate Ellington, Florence Faivre, Jonno Roberts, Josef Sommer, Debra Azar, Joe Cummings, Georgia Hatzis, Pawalit Mongkolpisit, Michael Pand u.a.
92 Min. Maxximum ab 5.6.08

Spiegel der Gefühle

Von Sascha Ormanns Taucht man mit dem Kopf unter Wasser, klingen alle Umgebungsgeräusche gedämpft, der Tauchende kann sich so voll und ganz auf sich selbst und seine Gedankenwelt konzentrieren. Meditation. Flucht. Rückbesinnung auf den eigenen Körper: sich selbst (das Wasser dient sowohl als Schutzmantel vor der Außenwelt als auch zur Unterstützung der Spürbarkeit des Körpers). Seth Grossmans The Elephant King öffnet mit der Darstellung eines im Wasser spielenden Elefanten, der diese Funktionen zu verstehen und auch zu genießen scheint. Flucht und Rückbesinnung – sei es auf Familienwerte oder sich selbst – stellen in Grossmans Langfilmdebüt zentrale Themen dar.

Problematisch wird es mit Debütfilmen immer dann, wenn Regisseur und Drehbuchautor zu viele Themen behandeln wollen, nicht fokussieren. Seth Grossman ist jedoch klug genug, nicht in diese Falle zu tappen: Im Mittelpunkt stehen die unterschiedlichen Brüder Jake, der nach Thailand geflüchtet ist, um dort ein exzessives Leben zu führen, und Oliver, der Gegenpart zu Besuch in Chiang Mai, introvertiert und noch bei seinen Eltern (in den USA) lebend. Diese Differenzen werden unter anderem auf visueller Ebene deutlich: Die Szenen, die in Amerika stattfinden, kommen traurig grau daher, kontrastiert durch die pittoresken und farbenfrohen Sequenzen Thailands. Ohnehin zählen die von Kameramann Diego Quemada-Diez fotographierten Bilder zu den großen Stärken des vorliegenden Films: Trotz partiell störender Handkamera-Anmutung vermag es Quemada-Diez, wirklich berauschende Aufnahmen zu präsentieren, die sowohl Stimmung als auch Gefühlslage der Protagonisten widerzuspiegeln in der Lage sind.

Überhaupt gelingt es Grossman in The Elephant King, das Gleichgewicht zwischen Humor, Melancholie und Absurdität zu wahren. Durch die zugrundeliegenden Kommunikationsprobleme entstehen Szenen, in denen die Figuren sich mit Hilfe von Schildern verständigen, und man sich zwangsläufig fragt, wo ein ebensolches plötzlich herkommt. Außerdem gibt es wahrlich komische Momente, etwa wenn die Protagonisten auf einem Urinal einem Transvestiten begegnen. Und dennoch gibt der Regisseur diese Szenen nie der Lächerlichkeit preis, sie fügen sich schlußendlich zu einem Gesamtbild voller Melancholie, Witz, Hoffnung und Familiengefühl zusammen.

Nicht zuletzt die Besetzung trägt zum Funktionieren des Films bei, überraschenderweise besteht diese größtenteils aus noch unbekannten Jungschauspielern, die es jedoch verstehen, in Gänze zu überzeugen. Obgleich an einigen Stellen noch zu erkennen ist, daß es sich um einen Debütfilm handelt – Grossmans Regiehandschrift vor allem zum Ende noch nicht konsequent genug erscheint – darf man sowohl auf mehr vom Regisseur als auch von einigen Darstellern gespannt sein. 2008-06-03 17:53
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