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Ein verlockendes Spiel

Leatherheads. USA 2008. R: George Clooney. B: Duncan Brantley, Rick Reilly. K: Newton Thomas Sigel. S: Stephen Mirrione. M: Randy Newman. P: Casey Silver Productions, Smoke House. D: George Clooney, John Krasinski, Renée Zellweger, Stephen Root, Wayne Duvall, Peter Gerety, Keith Loneker, Malcolm Goodwin, Matt Bushell, Tim Griffin u.a.
114 Min. Universal ab 5.6.08

Die Grenzen der Nostalgie

Von Daniel Bickermann George Clooney, schon immer der Cary Grant unserer Zeit, scheint sich auf sein Erbe besonnen zu haben und legt nach dem noch immer unterschätzten Erzählfeuerwerk Confessions of a Dangerous Mind und der souveränen politischen Stilübung Good Night, and Good Luck überraschenderweise eine schaumig-leichte Foot- und Screwballkomödie im Stil der 1940er Jahre nach. Dabei ist der Charme der heraufbeschworenen Nostalgie erstmal unbestreitbar: Randy Newmans stets amüsanter banjo- und klavierlastiger Retro-Jazz tiriliert über Montagen von wirbelnden Zeitungsschlagzeilen; die ruppigen Charaktere jagen sich über matschige Kartoffelacker oder liefern sich pittoreske Kneipenschlägereien, und danach besaufen sie sich gemeinsam und singen darüber. Die Kamera fängt das alles in überaus stilvollen Braun- und Gelbtönen ein, die Schauspieler haben sichtlich Spaß an ein bißchen unzeitgemäßem Slapstick, und die exorbitante Feder an Renée Zellwegers Hut steht so weit heraus, daß sie damit kaum durch Türen kommt. Aber warum das alles?

Der Rückgriff auf die Stilistik früherer Epochen ist derzeit schwer in Mode, von Spielbergs künstlicher Negativbleichung für Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels bis zu Tarantinos Rückgriff auf Autokino-Anschlußfehler. Aber im Gegensatz zum Beispiel zu Steven Soderbergh, der mit seinem The Good German das politische Krimidrama der 1940er nicht nur ästhetisch nachstellte, sondern inhaltlich auch weiterführte bis zum ironischen Bruch, und anders als Tarantino, der seine Exploitation-Referenzen aufeinandermontiert zu einem postmodernen Ganzen, ist Clooney ganz der zitierten Epoche erlegen – und wagt weder Neuerfindung noch Kommentar darauf. Sein Wehmut nach dem verlorenen Paradies bezieht sich dabei vor allem auf eine Zeit vor »dieser gefährlichen neuen Tendenz im Football: Regeln«, auf die Epoche der Anarchie und Freiheit, im Spiel wie in der Liebe. Man redet liebevoll von Spielzügen wie dem »crusty bob« oder dem »pig in the poke« und meint doch nur den Willen zur kreativen Improvisation, mit der man noch jedes Footballmatch und jede Frau gewonnen hat.

Was Ein verlockendes Spiel nun leider ein wenig belanglos macht ist die Tatsache, daß Clooney diesen Wunsch nicht auch filmisch umgesetzt hat. Seine Vision dieser filmischen Epoche wartet zwar mit spritzigen Dialogen auf, und die Chemie zwischen Zellweger und Clooney könnte kaum ansprechender sein, letztlich wirkt der Film aber eben auch brav und gediegen. Von einem anarchischen Charme, von frappierenden Tricksereien und Improvisationen, wie sie die frühen Footballspieler im Repertoire hatten, von einem filmischen »crusty bob« sozusagen, ist nichts zu sehen.

Was bleibt, ist ein leichtfüßiger und beschwingter Film, der sich endlich mal wieder traut, Figuren mit Namen wie Dodge Connely oder Lexie Littleton auszustatten. Leider bleibt der stilistische Ansatz nur eine Sackgasse, ein Zeitvertreib, ein Nebenwerk im Œuvre dieses immer wieder aufs Neue überraschenden Regisseurs, aber bei so bildschönen Sackgassen und so amüsanten Zeitvertreiben kann man Clooney einfach nicht böse sein. 2008-05-30 15:36

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