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Penelope

USA 2006. R: Marc Palansky. B: Leslie Caveny. K: Michel Amathieu. S: Jon Gregory. M: Joby Talbot. P: Stone Village Pictures. D: Christina Ricci, James McAvoy, Catherine O'Hara, Reese Witherspoon, Peter Dinklage, Richard E. Grant, Simon Woods, Ronni Ancona, Martin Nigel Davey, Tallulah Evans, Nick Frost u.a.
104 Min. Capelight ab 5.6.08

Schweinerei

Von Daniel Bickermann Eine amerikanische Zeitschrift hat das Hauptproblem dieser ansonsten charmant-naiven Produktion auf den Punkt gebracht: Wer glaubt, daß Christina Ricci mit Schweinsnase ein entstelltes Monster ist, vor dem die Männer voller Entsetzen reißaus nehmen, der glaubt auch, daß Scarlett Johansson durch eine ungleichmäßige Hautbräune aufs unansehnlichste entstellt werden würde. Man kann über Ricci sagen, was man will, aber so leicht läßt sich diese wunderbare Schauspielerin auch nicht häßlichzaubern.

Diese Unglaubwürdigkeit in der Grundvoraussetzung bleibt nicht das einzige Problem des Films. Kameramann und Kusturica-Gefährte Michel Amathieu findet zwar seine typischen spitzen Blickwinkel und jagt sein Arbeitsgerät beim Anblick von Seifenblasen oder Springbrunnen durch zahlreiche wirbelnde Zeitlupen-Pirouetten; aber ebenso wie die bemühten Schauspieler kommt auch er nie ganz unter einem schwachen Drehbuch heraus, das zu viele absurde Wendungen sucht, zu viele plakative Sätze von sich gibt und letztlich für den Abschluß des Fantasymärchens auch noch eine Moral von der Geschicht’ bemühen muß. Die erzeugte Komik schwankt dabei zwischen einer Handvoll gelungenen Gags, einigen Passagen, die durchaus schmunzeln machen, und einigen Szenen, die leider knietief ins Alberne abrutschen. Die Charaktere sind abwechselnd sehr klug und sehr dumm, je nachdem, was das Drehbuch gerade benötigt; die Konstruktion bricht zwar nie ganz zusammen, quietscht und ächzt aber ordentlich im Gebälk. Vor allem das vollkommen überflüssige Voice Over der Hauptfigur doppelt häufig das Gezeigte, erklärt das wenige Unerklärte und drischt Groschenroman-Phrasen wie »Ich spürte, wie mein Herz in tausend Stücke zersprang.« Das hätte echt nicht passieren dürfen.

Ricci ist gewohnt liebenswert, auch wenn man sich eine größere Herausforderung für ihre bekannte Bandbreite gewünscht hätte. McAvoy darf nochmal den abgerissenen Romantiker heraushängen lassen, Richard E. Grant bleibt leider bloße Staffage, und Catherine O’Hara nervt als Penelopes Mutter ganz gewaltig. Allein Dinklage verleiht seiner Rolle als schmieriger Klatschreporter eine ruppige Sympathie, und die mitproduzierende Witherspoon nimmt sich das Privileg, eine unwichtige, aber erfrischend unkomplizierte Nebenfigur zu spielen, die als einzige hier natürlich, sympathisch und lebensnah wirkt. Paßt überhaupt nicht in den Film, aber das spricht eher gegen ihn. Er bleibt ein fluffiges, wohlmeinendes Indie-Märchen für Teenager, das allerdings zugleich ein wenig zu simpel gestrickt und ein wenig zu gekünstelt geraten ist. Für den Abend ganz nett, aber am nächsten Morgen erinnert man sich eigentlich nur noch mit einem leichten Schamgefühl, daß dieser Film uns doch tatsächlich weismachen wollte, Christina Ricci mit Schweinsnase wäre ein gräßlich entstelltes Monster. 2008-05-30 15:26

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