— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Die Unbekannte

La sconosciuta. I 2006. R,B: Giuseppe Tornatore. K: Fabio Zamarion. S: Massimo Quaglia. M: Ennio Morricone. P: Medusa Film, Marigolda Film. D: Kseniya Rappoport, Michele Placido, Claudia Gerini, Margherita Buy, Pierfrancesco Favino, Piera Degli Esposti, Clara Dossena, Alessandro Haber, Ángela Molina, Pino Calabrese u.a.
121 Min. Senator ab 22.5.08

Was nicht paßt…

Von Tamara Danicic Cinema Paradiso, Die Legende vom Ozeanpianisten, Der Zauber von Malèna – man könnte meinen, der italienische Regisseur Giuseppe Tornatore habe ein Dauerabonnement für nostalgische Melodramen und romantische Filmepen. Daß es in seiner Filmographie auch düsterere Werke gibt wie etwa seinen Erstling Der Professor (1986) oder den Psychothriller Eine reine Formalität (1994), gerät über dem Erfolg solcher Tearjerker recht leicht in Vergessenheit.

Nun versucht Tornatore sich erneut am Kriminalfilm. Im Zentrum von Die Unbekannte steht eine junge Ukrainerin mit einem dunklen Geheimnis, das im Wesentlichen über Rückblenden portionsweise zutage gefördert wird. Schauplatz ist eine aus diversen realen Orten in Triest zusammengeschusterte fiktive Stadt in Norditalien. Es geht um Prostitution, Sexsklavinnen, Mord und um eine Vergangenheit, die sich nicht so leicht loswerden läßt wie der auf einer Müllhalde entsorgte Lover der Heldin. Aufbereitet wird das Ganze als Second-Hand-Hitchcock, gepaart mit einer Prise Gesellschaftskritik (bei der es um die Ausbeutung armer Osteuropäerinnen geht, deren Körper von betuchten Westlern für perverse Gelüste mißbraucht werden), einem Schuß David Lynch und ein wenig Film-noir-Düsternis.

Dabei setzt der Film allzu erkennbar auf eine Häppchenstrategie, mittels derer man sich als Zuschauer die Geschichte wie ein Puzzle zusammensetzen soll. Garniert wird die Geschichte mit einigen recht drastischen Szenen sowie einem stellenweise etwas arg aufdringlichen Score von Altmeister Ennio Morricone, der alles andere als zufällig an Bernard Herrmann erinnert. Dennoch würde die Konstruktion, trotz des teilweise übermächtigen Willens zur Verrätselung, vielleicht sogar einigermaßen funktionieren, wirkte die Story nicht immer wieder extrem an den Haaren herbeigezogen. Daß die ukrainische Heldin sich etwa – allein durch reine Willenskraft – als Putzperle mit Superman-Qualitäten entpuppt, ist da sicherlich noch eins der kleineren Glaubwürdigkeitsprobleme.

Über diese zum Teil arg konstruierte Mystery-Geschichte mit Wohlfühlende können auch die überzeugende Leistung der russischen Hauptdarstellerin Xenia Rappoport sowie der verblüffende optische Wandel von Michele Allein gegen die Mafia Placido nicht wirklich hinwegretten. Für den Publikumspreis beim letztjährigen Europäischen Filmpreis hat es offenbar trotzdem gelangt. 2008-05-19 10:59
© 2012, Schnitt Online

Sitemap