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Badland

USA 2007. R,B,S: Francesco Lucente. K: Carlo Varini. M: Ludek Drizhal. P: Badland Corp. D: Jamie Draven, Grace Fulton, Vinessa Shaw, Joe Morton u.a.
160 Min. Barnsteiner ab 8.5.08

In Frieden ruhen

Von Constanze Frowein Die Kosten des Irakkrieges sind hoch. Wirtschafts-Nobelpreisträger Professor Joseph E. Stiglitz widerlegt in seinem aktuellen Buch »The Three Trillion Dollar War: The True Cost of the Iraq Conflict« den nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstandenen Mythos, Krieg sei gut für die Wirtschaft. Francesco Lucentes Film Badland erzählt von den Kosten des Irakkrieges jenseits der Zahlen: Ex-Marinesoldat Jerrys zerstörter Stolz und Patriotismus, den er noch im 1. Golfkrieg aufrechterhalten konnte, zeichnet ihn nach weiteren Einsätzen in Afghanistan und Irak als gebrochenes Opfer. Die Lügen des Irakkrieges erwecken das Gefühl des Betrugs, die Bilder ermordeter Menschen und die Frage nach einer Erklärung für die Gleichzeitigkeit von Gott und Krieg spiegeln sich in den Bildern Lucentes gewaltdurchzogenen Films.

Die posttraumatische Belastungsstörung durch die Grauen des Krieges zeigt sich bei Jerry, dem dreifachen Familienvater, in irrationalen Wutausbrüchen, die in der Ermordung seiner Frau und der zwei Söhne gipfeln, als er ein weiteres Mal, nun nicht durch den Präsidenten, sondern die Ehefrau, betrogen wird. Auf der Flucht mit seiner Tochter, die er aufgrund eines leeren Magazins nicht erschießt, entwickelt sich eine bizarre Beziehung zwischen Vater und Tochter. Diese bemüht sich in töchterlich aufopfernder Liebe, ihren Vater durch die Beziehung zu Gott zu beschützen.

Die Unbegreifbarkeit der Kriegsmaschinerie nimmt Badland auch mithilfe der Figur des Sheriffs Max, dem ebenfalls ehemaligen Irakkämpfer, auf. Seiner Arbeit als Gesetzeshüter kann er als gebrochener alkoholabhängiger Mann nicht gerecht werden. Auch die sich anbahnende Freundschaft beider Ex-Soldaten mündet nicht in gegenseitigem Verständnis und Hilfe, sondern einem grausamen Massaker in einer Landschaft goldlichtdurchfluteter Stille, die nur durch die von einem Sopran unterstützte Filmmusik gebrochen wird. Die Spätfolgen des Krieges sind unüberschaubar, rechnet man die ethischen Argumentationen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunter, Soldaten hätten für »eine gerechte Sache« gekämpft. Das Bewußtsein für die Unwahrheit dieses Beweggrundes seit der Aufdeckung Bushs Lügengerüstes bricht den Schutzschild eines jeden Soldaten. Badland faßt exemplarisch ein Trauma ungeahnten Ausmaßes in Bilder und löst es somit aus seiner Abstraktheit. 2008-05-02 13:25

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #50.
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