— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Bastard

D/PL/F 1997. R,B: Maciej Dejczer. K: Marian Prokop, Artur Reinhart. S: Arpad Bondy, Scott Stevenson, Kasia Rudnik-Glinska. M: Michal Lorenc. P: Boje Buck, Douek, Heritage, Telewizja Polska. D: Til Schweiger, Polly Walker, Pete Postlethwaite, John Hurt, Ida Jablonska u.a.
95 Min. Delphi ab 12.2.98
Von Antje Krumm Der brutale Kleingangster Brute (Schweiger) wird in ein total heruntergekommenes rumänisches Provinz-Waisenhaus geschickt. Die hübsche Krankenschwester Mara (Walker) und der alkoholabhängige Arzt Babits (Hurt) versuchen mit minimalen Mitteln, die großäugigen, leidenden Kinder unter den katastrophalen hygienischen Bedingungen am Leben zu erhalten, denn die Spendenmittel aus dem Westen werden von Sincai (Postlethwaite), dem hinterhältigen Leiter des Hauses, zurückgehalten.

Brute kommt schnell dahinter, daß Sincai nicht nur Gelder zurückhält, sondern das Waisenhaus auch für dubiose Geschäfte mißbraucht. Der zuvor rücksichtslose Brute entbrennt nicht nur in heftiger Leidenschaft für Mara, sondern entwickelt vor allem ein tiefes Mitgefühl für die Kinder.

Auf den ersten Blick scheint Bastard eine ideale Profilierungsproduktion für Schweiger auf dem Weg zu internationalem Ruhm: ein scheinbar sozial relevantes Thema sowie internationale Stars vor und hinter der Kamera. Obwohl Schweiger mit seiner mehr als annehmbaren Schauspielleistung und einleuchtenden, auf die Figur abgestimmten Posen immer wieder Highlights setzt, kann die Entwicklung Brutes vom rohen Egoisten zum hilfsbereiten Menschenfreund psychologisch in keinem Moment überzeugen.

Doch es sind nicht allein die unglaubwürdigen Figuren. Die wenig fesselnde Story beginnt zwar als handfeste Sozialkritik, schlingert aber zunehmend richtungslos, so daß jede mögliche Aussage, geschweige denn Botschaft, verschenkt wird.

Bastard spielt in der aus den Nachrichten hinlänglich bekannten (und phantastisch nachgebauten) Bildwelt rumänischer Waisenhäuser: überfüllte Schlafsäle, in denen die Waisenkinder zusammengedrängt hausen müssen, die durch diese Umgebung schwere Störungen entwickelt haben. Doch dieses Leiden wird nur als Handlungshintergrund und Kulisse mißbraucht, ohne die gesellschaftlichen Hintergründe auszuloten.

Hinzu kommt, daß die düsteren Schauplätze kaum beleuchtet werden. Durch die umfassende Finsternis wirkt der Film grobkörnig; die Bilder haben keine Tiefe, und im Optischen spiegelt sich letztlich nur der Gesamteindruck des Films: unterirdisch. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #09.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap