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Lolita

USA 1997. R: Adrian Lyne. B: Stephen Schiff. K: Howard Atherton. S: Julie Monroe, David Brenner. M: Ennio Morricone. P: Pathé Produktionen. D: Jeremy Irons, Melanie Griffith, Frank Langella, Dominique Swain u.a.
137 Min. Tobis ab 1.1.98
Von Gudrun Laser Eigentlich heißt sie Dolores, nur manche nennen sie Dolly, Lo oder Lola und für Humbert Humbert, einen englischen Professor für französische Literatur, ist sie – Lolita. Gerade erst 12 Jahre alt, verdreht sie dem etwas antiquierten Europäer den Kopf. Durch einen Zufall muß dieser sich bei Charlotte Haze, ihrer Mutter, einquartieren, die alle Eigenschaften besitzt, vor denen Humbert unter »normalen« Umständen sofort die Flucht ergriffen hätte. Wäre da nicht ihre frühreife Tochter Lolita. Sie bietet ihm alles, was die Mutter bereits längst verloren hat: Jugend, Leben und die Erinnerung an seine erste Liebe.
Während Stanley Kubricks 1961 entstandene Verfilmung des Literaturklassikers von Vladimir Nabokov durch eine klare Schwarz-Weiß-Ästhetik besticht, setzt Adrian Lyne voll auf die Effekte der Farbpalette, mit denen er seine Zuschauer »ködern« will. Doch verliert er sich in manchen Momenten in überstilisierten Einstellungen, wie sie schon aus 9 1/2 Wochen bekannt sind. Durch diese Inszenierung wirkt die ohnehin bekannte Geschichte im letzten Viertel recht zäh.

Dafür beweist Regisseur Adrian Lyne bei der Besetzung ein gutes Gespür. Für die Rolle der Lolita wählte er mit Dominique Swain aus 2500 Bewerberinnen die passende Debütantin heraus. Für den deutschen Kinozuschauer ist Swain zwar eine Überraschung, aber keine Entdeckung, war sie hierzulande doch schon in John Woos Face/Off zubewundern.

Doch einem kann hier niemand etwas entgegensetzen: Jeremy Irons. Er verkörpert mit spröder Eleganz und spürbarer Tragik den idealen Humbert, gibt wie schon in Cronenbergs M. Butterfly oder Schlöndorffs Eine Liebe von Swann den einsamen Intellektuellen und bleibt in der Darstellung leise und subtil. Dabei kommen Irons' Leistungen fast an die der Klassiker-Besetzung von James Masons heran, wo doch Lyne sonst Kubrick nicht das Wasser reichen kann. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #09.
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