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The Blackout

USA 1997. R,B: Abel Ferrara. B: Marla Hanson, Christ Zois. K: Ken Kelsch. S: Anthony Redman. M: Joe Delia. P: CIPA, Les Films Number One, MDP Worldwide. D: Matthew Modine, Beatrice Dalle, Dennis Hopper, Claudia Schiffer u.a.
94 Min. Jugendfilm ab 15.1.98
Von Ralf Möller In den meisten Werken des 46-jährigen New Yorker Filmemachers Abel Ferrara waren die Geschichten immer zweitrangig. An erster Stelle standen Figuren und Stimmungen, so auch in The Blackout. In seinem neuen Film erzählt er die Story von Matty (Matthew Modine), einem erfolgreichen Hollywoodschauspieler, der sich jedoch den Drogen und dem Alkohol verschrieben hat, um sein Leben im Griff zu halten. Seine Exzesse und Eskapaden und die damit verbundenen Blackouts zerstören langsam aber sicher die Beziehung zu Annie (Beatrice Dalle). Diese ist der Star eines dubiosen Videofilms namens »Nana«, den der egozentrische und völlig verrückte Nachtclubbesitzer Micky (Dennis Hopper) in seinem Striplokal in South Beach, Miami dreht. Es kommt, was kommen muß. Annie verläßt Matty, der daraufhin völlig abdreht. Auf einer von Mickys Parties lernt er eine neue Annie (Sarah Lassez) kennen – als sie sich näherkommen, hat er wieder einen Blackout. 18 Monate später lebt er clean und völlig zurückgezogen in New York. Mit Hilfe seiner neuen Freundin Susan (Claudia Schiffer), einer Kunsthändlerin, scheint ihm der Absprung gelungen. Doch die Bilder der Vergangenheit kehren immer wieder.

Matthew Modines Matty ist eine dieser typischen Figuren Ferraras, die sich am Rande des Wahnsinns bewegen. Ob dies nun Harvey Keitel als durchgeknallter Cop in Bad Lieutenant, James Russo als psychopathischer Schauspieler in Snake Eyes oder aber Lily Taylor als melancholischer Vampir in The Addiction ist. Es ist die dunkle Seite des Menschen, die sich in den Figuren widerspiegelt, und Ferrara leuchtet sie teilweise auch bis zu den Grenzen des Erträglichen aus. So scheinen seine Filme, ab der von ihm selbst unterschätzten Elmore Leonard-Verfilmung Cat Chaser, thematisch immer ähnlich zu sein. In der Regel suchen seine Figuren nach Erlösung von den Qualen ihres Lebens und ihrer Existenz, die durch Gewalt und Zerstörung geprägt ist. So scheint der Tod bei Ferrara der einzige Weg aus der Hölle des Lebens zu sein. Die Figur des Matty ist da keine Ausnahme. Selbst in der Ruhe und Einsamkeit New Yorks kommen die Dämonen der Vergangenheit immer wieder. Er weiß, daß er sich ihnen stellen muß. Am Ende ist der Tod für ihn unausweichlich, um damit seine Schuld an Annie zu sühnen. Die Katharsis ist somit vollzogen.

Irgendwie hat man bei Abel Ferrara aber immer das Gefühl, daß er mit jedem neuen Film auch ein Stück von sich selbst preisgibt. Einige Eigenschaften und Charakterzüge seiner Protagonisten erwecken den Anschein, daß sie auch auf ihn zutreffen. Am deutlichsten sicherlich in der Figur des Regisseurs Eddie Israel in Snake Eyes, doch auch Matty und Micky in The Blackout scheinen die zwei Seiten des Abel Ferrara wiederzuspiegeln, den sich in Exzesse flüchtenden Künstler und den verrückten Manipulator. Denn wie kaum ein anderer zeitgenössischer Filmemacher schafft es Ferrara, seine Schauspieler zu den besten »performances« ihrer Karriere zu bringen. Matthew Modine ist hier keine Außnahme. Auch wenn er mit dem in sich gekehrten Vietnamveteran in Alan Parkers Birdy oder dem ungleichen Zwillingspärchen in Alan Rudolphs Equinox schon früher abseitige Figuren gespielt hat, besitzt er als Matty eine seltene Intensität, die für den Zuschauer fast spürbar wird. Selbst mit Claudia Schiffer ist Ferrara ein Besetzungscoup gelungen, da sie wie geschaffen für die Rolle der zurückhaltenden und eher spröden Kunsthändlerin Susan ist, die in ihrer Welt eines heimeligen New Yorks einen sehr guten Kontrast zu Beatrice Dalles sinnlicher Annie im Sündenbabel South Beach bietet. Jenem Ort, der durch den gewaltsamen Tod Gianni Versaces all seiner fröhlichen Unschuld beraubt wurde und wo sich Verzweiflung breit machte. Ein Zustand der sich auch hervorragend auf The Blackout münzen läßt. 1970-01-01 01:00

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