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Der Schrei der Seide

Le cri de la soie. F/CH/B 1996. R,B: Yvon Marciano. B: Jean-Francois Goyet. K: William Lubtchansky. S: Catherine Quesemand. M: Alexandre Desplat. P: Mimosa Prods., La Sept Cinema, Scarabee Films u.a. D: Marie Trintignant, Sergio Castellitto, Anemone, Alexandra London, Didier Sauvegrain, Phillipe Morier-Genoud u.a.
110 Min. Salzgeber ab 15.1.98
Von Claas Hanson Regisseurin und Drehbuchautorin Yvon Marciano erzählt gefühlvoll die Geschichte der kleptomanischen Seidenfetischistin Marie Benjamin und des Psychiaters Dr. Bailly, der zu beurteilen hat, ob sie ein Fall fürs Gefängnis oder eher fürs Sanatorium ist. Zum wiederholten Male hat sie Seide gestohlen, um damit in der Öffentlichkeit zu masturbieren. – Abgedreht? Abschreckend? Oder faszinierend? – Letzteres findet jedenfalls Bailly, der ihren Fall zu seinem Studienschwerpunkt macht.

Der 1. Weltkrieg bricht aus und seine Einberufung reißt ihn aus den Untersuchungen. Er überweist Marie ins Gefängnis und stürzt sich ins Getümmel. Angeschossen findet er Zuflucht bei der ortsansässigen muslimischen Bevölkerung, was ihm intensive Feldstudien an verschleierten Frauen und ihrer besonderen Beziehung zu wallenden Stoffen ermöglicht. Auch er entdeckt nun deren libidosteigernde Wirkung und findet immer mehr Verständnis und Bewunderung für Marie. Diese sitzt ihre Zeit ab, lernt lesen und schreiben und widmet sich der Lektüre seiner Bücher. Wie kann es anders sein, als daß sich das derart angeglichene Arzt-Patientenverhältnis nach beiderseitiger Heimkehr in eine Liebesbeziehung wandelt. Doch erneut unterliegt Marie der magischen Anziehungskraft der Seide…

So fließt der Film dahin und die ausdrucksschwangeren Dialoge hinterlassen ein Gefühl der allgegenwärtigen Hinter-bzw. Abgründigkeit. La cri de la soie ist ein vielschichtig psychologischer Film über die besondere Affinität von Frauen zu Stoffen, der (jedoch) streckenweise recht befremdlich wirkt und dessen intellektuell metaphorische Handlung oftmals ins Schleppende abgleitet. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #09.
© 2012, Schnitt Online

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