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Die dunkle Seite des Herzens

El lado oscura del corazon. ARG/CAN 1992. R,B: Eliseo Subiela. K: Hugo Colace. S: Marcela Saénz. M: Osvaldo Montes. P: CQ3 Films, Max Films Productions. D: Darío Grandinett, Sandra Ballesteros, Nacha Guevara u.a.
127 Min. Kairos ab 8.1.98
Von Andreas Heidenreich Manchmal dauert es etwas länger, bis sich Qualität durchsetzt. Im Falle von Die dunkle Seite des Herzens hat es von der Produktion bis zum Einsatz in den deutschen Kinos sechs Jahre gedauert. Gleich zu Beginn des Films das erste Überraschungsmoment, das erste vieler ungewöhnlicher Bilder und Ereignisse: Oliverio, ein Gelegenheitsdichter, der Liebesgedichte gegen Steaks und Werbeslogans gegen Geld verkauft, liegt mit einer Frau im Bett und erklärt ihr, daß ihm die Form der Brüste seiner Partnerinnen absolut gleichgültig sei – solange er nur mit ihnen fliegen könne. Und da dies wieder einmal nicht gelang, ist die Beziehung beendet. Ausgehend von dieser Eingangssequenz, die immer wieder in neuer Form im Film auftaucht, verfolgt der Film das Leben Oliverios und seiner zwei Freunde - ein Leben der Bohème. Im Vordergrund steht dabei immer Oliverios Beziehung zu den Frauen: die Suche nach der einen, mit der er »fliegen« kann und die ihm, als er sie gefunden hat, erst einmal verdeutlicht, was verschmähte Liebe für Schmerzen hervorrufen kann, als er sich ihre Anwesenheit für drei Tage erkaufen muß. Aber auch der Tod tritt in Gestalt einer Frau auf und führt mit dem Dichter philosophische Gespräche, und selbst Oliverios Mutter gibt ihm in einer Szene des Films in Gestalt einer Kuh Ratschläge. Die Männer in diesem Film sind nur dem ersten Anschein nach Machos und dominierend, da die scheinbar wohlgeordnete Männerwelt, in der Frauen allenfalls Objekte sind, gerade durch diese ihre Umordnung erfährt. Bei alldem erfüllt der Film im positivsten Sinn all die vorgefertigten Erwartungen, die man an lateinamerikanische Filme hierzulande stellt: zauberhaft poetische Filmbilder, das Auftreten übernatürlicher Erscheinungen und Ereignisse, starke Metaphern und Kritik an politischen Zuständen und Zensur. Hinzu kommt, daß Eliseo Subiela zahlreiche Gedichte bekannter Autoren in das Drehbuch einbezieht, für die er auch eine äquivalente visuelle Umsetzung findet, die ihresgleichen sucht. Die dunkle Seite des Herzens ist großes Gefühlskino, das der Regisseur perfekt mit allen gängigen und einigen experimentellen Mitteln vorzüglich bedient. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #09.
© 2012, Schnitt Online

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