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Hana-Bi

J 1997. R,B,S: Takeshi Kitano. K: Hideo Yamamoto. S: Yoshinori Oota. M: Joe Hisaishi. P: Office Kitano, Bandai Visual Co., Televi. Tokyo u.a. D: Takeshi Kitano, Kayoko Kishimoto, Ren Osugi, Susumu Terajima u.a.
103 Min. Pandora ab 22.1.98
Von Antje Krumm Vor drei Jahren krempelte ein Motorradunfall nicht nur Takeshi Kitanos Leben um, auch seine Mimik wurde verändert: die rechte Gesichtshälfte des Autors und Hauptdarstellers von Hana-Bi ist seitdem von einem unwillkürlichen Zucken gezeichnet. Mit seinem ansonsten unbeweglichen Gesicht und einer gebrochenen Körperhaltung führt Kitano durch den ungewöhnlichen und ergreifenden Yakuza-Film.

Er spielt den schweigsamen Polizisten Nishi, dessen Frau an Leukämie erkrankt ist und bald sterben wird. Für die medizinische Versorgung hat sich Nishi bei der japanischen Mafia hoch verschuldet, die nun versucht, ihn zur Mittäterschaft bei ihren Verbrechen zu zwingen. Im beginnenden Gangster-Krieg werden viele von Nishis Kollegen getötet; sein väterlicher Freund, der Inspektor, überlebt, ist aber seitdem an einen Rollstuhl gefesselt.

Nishi taucht unter, gequält von der Erinnerung an eine besonders blutige Schießerei, in die er verwickelt war. Nach einem genial geplanten Banküberfall geht Nishi mit seiner Frau auf eine letzte Reise durch das Land, zum Fujiyama und ans Meer, stets verfolgt von Yakuza und Polizei.

Das besondere und fesselnde an Hana-Bi ist, daß der anfängliche Gangster-Thriller zunehmend zugunsten einer bezaubernden Tragödie zurücktritt. Auf der finalen Reise wird an Nishis Seite die Bedeutung von Freundschaft wie auch das Wunder der Liebe und der Natur erschlossen. Kitanos naive Gemälde von Blumen-Tieren und mystischen Mensch-Tier-Pflanzenwesen, die aus seiner Rekonvaleszenz-Zeit stammen, begleiten diese Reise und entwickeln sich von Raumdekorationen langsam zu Handlungsmotiven. Sie tragen zu diesem souveränen Kunstwerk ebenso bei wie die durchweg überzeugenden Darsteller, die brillante Kameraarbeit und das durchdachte Schnittkonzept.

Es ist Kitano mit Hana-Bi auf einzigartige Weise gelungen, grausige Blutorgien, rohe Gewalt, subtile Komik, laute Groteske und eine poetische Liebesgeschichte zu einem komplexen Film zu verflechten, der durchweg spannend, unterhaltend und zu Tränen rührend ist, ohne je in Kitsch zu entgleiten. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #09.
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