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American Werewolf in Paris

USA 1997. R,B: Anthony Waller. B: Tim Burns, Tom Stern. K: Egon Werdin. S: Peter R. Adam. M: Wilbert Hirsch, Bush. P: J & M Entertainment. D: Tom Everett Scott, Julie Delpy, Vince Vieluf, Phil Buckman, Pierre Cosso u.a.
95 Min. Concorde-CR/T ab 15.1.98
Von Ben Heßler Stell' Dir vor, es ist Handlung und keiner geht hin: Der unbedarfte Amerikaner Andy (Scott) verliebt sich unsterblich in die geheimnisvolle Seraphim (Delpy). Kann man verstehen, denn durch die vielleicht unwahrscheinlichste Verkettung von Zufällen der Filmgeschichte springen die beiden gemeinsam vom Eiffelturm, so was verbindet. Ärgerlich bloß, daß die suizidale Schöne - irgendeinen Haken gibt's immer - ein Werwolf ist. Und lauter Werwolf-Freunde hat. Und Andy zum Werwolf wird, bevor er »Werwolf« sagen kann. Und so weiter…

Die Grenzen zwischen Hommage, Parodie und Plagiat sind fließend. Was dem einen noch ein liebevolles Zitat, kann den nächsten schon wutentbrannt, mit einem gehauchten »Blasphemie!« auf den Lippen, vom Sitz reißen.

American Werewolf in Paris bedient sich gutgelaunt im Antiquariat der Versatzstücke: Da streicht die Kamera zu Beginn minutenlang um verwitterte Wasserspeier, im Keller der überwucherten Villa geht Unheimliches vor und der Satz »Go away, you're in great danger!« wird mehrfach lachend ignoriert. Durchsetzt von Brachial-Kalauern und Hardcore-Slapstick-Szenen, die häufig hervorragend funktionieren, ist das zwar nicht neu, aber durchaus amüsant und stellenweise sogar komisch. Soweit die Genre-Parodie. Blasphemisch wird's, wenn die Werwolf-»équipe« nichtsahnende Touristen in eine sinistre Disco lockt, um gegen Mitternacht die Türen zu verriegeln und sich an den Gästen gütlich zu tun…»déja vu«, und zwar »déja vu« vor zu kurzer Zeit. Dem in der Vereinigung von genuinem Schrecken und geistreicher Komödie sehr viel einfallsreicheren American Werewolf in London kann Anthony Waller trotz Computergeprotze und eleganten Kamerafahrten (Steadicam Jörg Widmer) nicht das Wasser reichen. Allen, die sich nicht genieren, über Stolper-, Vom-Stuhl-fall- und Tür-in-die-Fresse-krieg-Gags zu lachen, sei der Film dennoch ans Herz gelegt, und alle, die die Frage »Was zum Teufel ist eigentlich aus Pierre Cosso geworden?« umtreibt, können mitgehen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #09.
© 2012, Schnitt Online

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