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Caligula

I/USA 1979. R,B: Tinto Brass. B: Giancarlo Lui, Bob Guccione. K: Silvano Ippoliti. S: Nino Baragli. M: Paul Clemente. P: Penthouse Films International, Felix Cinematografica. D: Malcolm McDowell, Peter O'Toole, Teresa Ann Savoy, Helen Mirren, John Gielgud u.a.
150 Min. Knipp ab 15.1.98
Von Carsten Tritt Irgendwann, nach Spartakus, Cleopatra, Ben Hur, glaubte Hollywood, daß es genug Monumental-Sandalenfilme gebe. Cinecitta war da anderer Meinung und drehte noch Herkules im Netz der Cleopatra und weitere Billigfilmchen. Und als selbst die Italiener hofften, dieses Antikkino sei endgültig Geschichte, da kamen Tinto Brass und Caligula. Aber was kann uns Caligula bieten, was wir nicht schon tausendmal gesehen haben? Nun, wir erfahren zu unserer Überraschung, daß die alten Römer auch Geschlechtsverkehr hatten.

Am Fall des Caligula, Kaiser ab 37 n. Chr., sehen wir, wie derart moralische Verkommenheit den Untergang Roms einläutete. Es hätte ja auch eine durchaus interessante Erfahrung sein können, Malcom McDowell in der kaiserlichen Toga zu sehen, elegante Monologe sprechen zu hören und dazu noch ein bißchen sex and crime. Aber nö, statt dessen gibt es einen überlangen Film von unzumutbarer Trivialität, der noch ausgedehnt wird durch etliche Sexszenen von derart lustloser Inszenierung, daß sich der Fernsehzuschauer an die Laß jucken, Kumpel-Reihe erinnert fühlt.

Auch sonst gibt es wenig Gutes über Caligula zu berichten: Ausstatter Danilo Donatis Kostüme sind eh nur dazu da, um ausgezogen zu werden, die Pappbauten wirken albern, die Musik nervt und Kameraführung findet nicht statt. Und andauernd werden irgendwelche Leute ermordet, aber das ist dann wenigstens lustig.

Ach so, da sind ja noch die renommierten Darsteller. Aber McDowell scheint gerade keine Lust zum Schauspielern gehabt zu haben. Gielgud begeht in weiser Voraussicht bereits am Anfang des Films Selbstmord, und auch O'Toole fährt nach nur 30 Minuten zu den Göttern. Nur diese wissen wohl, warum ausgerechnet dieser pseudohistorische Senatorinnenreport zur Wiederaufführung ausgebuddelt werden mußte. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #09.
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