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Iron Man

USA 2008. R: Jon Favreau. B: Mark Fergus, Hawk Ostby. K: Matthew J. Libatique. S: Dan Lebental. M: Ramin Djawadi. P: Marvel Enterprises. D: Robert Downey Jr., Terrence Howard, Gwyneth Paltrow, Jeff Bridges, Leslie Bibb, Clark Gregg, Stan Lee, Shaun Toub, Nazanin Boniadi, Bill Smitrovich, Ghostface Killah u.a.
118 Min. Concorde Filmverleih ab 1.5.08

Herzattacke

Von Mary Keiser Waffenbauen ist schlecht, wird dem größten amerikanischen Waffenfabrikanten Tony Stark plötzlich klar, als er von Terroristen entführt wird. Sein Mitgefangener Yinsen rettet ihm das Leben mit Hilfe eines künstlichen Herzens, das für Starks Sinneswandel steht. Daraufhin baut dieser sich selbst zur Waffe um und rächt sich an den Terroristen. Wie kann ein Film bei einem solchen Inhalt überhaupt Erfolg haben?

Iron Man und seine Artgenossen sollen nicht die intellektuelle Ebene des Zuschauers, sondern die viel tiefer liegenden unbewußten Sehnsüchte ansprechen. Komplexe politische Konflikte werden auf den Kampf Mann gegen Mann reduziert. Iron Man stellt die Rückkehr des Ritters in schimmernder Rüstung dar, der anstelle des ohnmächtigen Volkes auszieht und die Feinde das Fürchten lehrt, naheliegenderweise untermalt mit Heavy Metal. Er stellt keine Anträge, verfaßt keine Petitionen und läuft nicht auf Demonstrationen, sondern vermöbelt diejenigen, die es verdient haben, höchstpersönlich und politisch unkorrekt. Und fliegen kann er auch noch.

Durch seine eigene neue Beherztheit verhält er sich auch gegenüber seiner emsig assistierenden Iron Maiden Pepper Potts zunehmend ritterlich. Aus dem oberflächlichen Casanova wird ein potentieller Familienvater. Alle Frauen warten darauf, und die ganze Welt wartet darauf, daß die Oberschurken sich endlich selbst als solche erkennen. Jetzt könnte der Film zu Ende sein. Aber das wäre langweilig und dramaturgisch unzumutbar, als wenn die böse Stiefmutter in »Schneewittchen« einfach zugäbe: Ach, was soll’s, dann bin ich eben nur die Zweitschönste.

Iron Man braucht seinen obligatorischen Gegenspieler. Nicht nur als Filmfigur, sondern auch als Schauspieler ist Jeff Bridges würdig, um sich ein ansehnliches Duell mit Robert Downey jr. zu liefern. Bridges ließ sich eigens die Matte abrasieren, um väterlichen Freund und machtgierige rechte Hand Tony Starks adäquat zu verkörpern. Die Marvel-Produktionen zeichnen sich traditionell durch ein sicheres Händchen beim Casting aus. Selbst Nicht-Fans können kaum leugnen, daß Patrick Stewart als Professor X und Toby Maguire als Spiderman ihre Rollen ausgezeichnet ausfüllen. Die Besetzung ist entscheidend, weil das Erfolgsgeheimnis der Filme in dem ausgewogenen Verhältnis zwischen Actionspektakel und Charakterstudie liegt. In diesem Zusammenhang ist ein Waffenmagnat als sympathischer Superheld eine Herausforderung, selbst in den Vereinigten Staaten.

Obwohl Captain America schon den Nazis kräftig einheizte, unterscheidet sich Iron Man durch diese politische Dimension von den anderen Marvel-Comics, auch wenn die transportierte Botschaft vielleicht weder Herz noch Hirn ansprechen sollte. Der Charme sowohl von Comicvorlage als auch Verfilmung basiert letztendlich gerade auf dieser Naivität: Es ist eine Geschichte, genau wie sie sich kleine Jungs ausdenken würden. 2008-04-28 12:26

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