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Lauf um dein Leben – Vom Junkie zum Ironman

D 2008. R,B: Adnan G. Köse. B: Fritjof Hohagen. K: James Jacobs. S: Alexander Dittner. M: Patrick Buttmann, Philipp F. Kölmel. P: enigma film. D: Max Riemelt, Axel Stein, Robert Gwisdek, Ismail Deniz, Jasmin Schwiers, Uwe Ochsenknecht, Udo Schenk, Leslie Malton, Maxi Warwel, Ingo Naujoks u.a.
102 Min. Kinowelt ab 24.4.08

Dauerleerlauf

Von Sebastian Gosmann Es heißt, das Leben schreibe die besten Geschichten. Grundsätzlich mag das ja zutreffen, doch im Falle von Adnan G. Köses Debüt geht die filmische Umsetzung dieser Erkenntnis gewissermaßen nach hinten los, erzählt es doch von einer Lebensrealität, die das Kino schon vor langer Zeit für sich erschlossen hat. Zwar handelt es sich bei der wahren Geschichte des einstmaligen Drogenwracks und heutigen Triathleten Andreas Niedrig ohne Frage um eine erzählenswerte, doch scheitert dessen Verfilmung letztlich am cineastischen Vorwissen des Publikums. Dem nämlich dürften die Gesetzmäßigkeiten des so genannten Drogenfilms, welcher den Niedergang seiner von sozialen Schief- und/oder emotionalen Notlagen in die Sucht getriebenen Protagonisten gern als unaufhaltsame »downward spiral« beschreibt, mittlerweile mehr als hinreichend bekannt sein, ebenso wie die Regeln, nach denen der Sport(ler)film seine hart trainierenden Helden trotz anfänglicher Mißerfolge und diverser Rückschläge am Ende doch noch zum großen Durchbruch führt. Da sich Andreas Niedrigs drogenbedingter Untergang anscheinend ebenfalls innerhalb dieser altbekannten Genregrenzen abspielte, ist jede einzelne der zweifellos dramatischen Lebensstationen nicht nur ärgerlich vorhersehbar, darüber hinaus kommt das Ganze auch noch in etwa so klischeebeladen daher wie es der (eher minder talentierte) Schöpfer eines fiktionalen Drehbuchstoffs es sich vermutlich nicht besser hätte zurechtdenken können.

Köse bemüht sich nach Kräften um eine adäquate Verknüpfung der beiden dramaturgischen Konzepte, widmet sich jedoch viel zu ausgiebig einer detaillierten Schilderung des sozialen Abstiegs seines Protagonisten, sodaß am Ende schlicht zu wenig Zeit bleibt, den wichtigsten und spannendsten Aspekt der Geschichte – den einsetzenden Sinneswandel Niedrigs – angemessen herauszuarbeiten und auf diese Weise für den Zuschauer nachvollziehbar zu gestalten. Ein weiteres der erbitterten – im übrigen furchtbar hölzernen – Wortgefechte mit seinem hammerharten Polizistenvater vermag einfach nicht jenes Maß an Plausibilität zu erzeugen, welches nötig ist, um Andreas’ anschließenden Befreiungslauf als entscheidenden Wendepunkt in Niedrigs Leben zu begreifen und zu akzeptieren. So wirkt der programmatische Zusatztitel des Films, »Vom Junkie zum Ironman«, schließlich wie ein nicht eingehaltenes Versprechen. 2008-04-22 15:27

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