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Ein Schatz zum Verlieben

Fool's Gold. USA 2007. R,B: Andy Tennant. B: John Claflin, Daniel Zelman. K: Don Burgess. S: Troy Takaki, Tracey Wadmore-Smith. M: George Fenton. P: Warner Bros., De Line Pictures. D: Matthew McConaughey, Kate Hudson, Donald Sutherland, Alexis Dziena, Ewen Bremner, Ray Winstone, Kevin Hart, Malcolm-Jamal Warner, Brian Hooks u.a.
112 Min. Warner ab 24.4.08

Schwach auf der Brust

Von Eva Tüttelmann Genau das zu bekommen, was man erwartet, kann eine feine Sache sein. Vor allem dann, wenn es sich um positive Erwartungen handelt. Deshalb freut man sich auf die Lieblingspizza, die mit dem perfekten Verhältnis von Boden und Belag zu überzeugen weiß; man freut sich auf einen kühlen Mojito in der Lieblingsbar, weil es dort die frischeste Minze gibt und einen ordentlichen Rum und einen Barkeeper, der einfach Ahnung hat. Man lechzt nach einem heißen, großen Café Latte der favorisierten Kette, weil der nun mal einfach immer genau richtig ist und für den man deshalb auch gerne mal einen nahezu unverschämten Preis bezahlt. Man fiebert erwartungsvoll dem neuen Werk des Lieblingsregisseurs entgegen, denn der trifft schon seit Jahren die richtigen Entscheidungen bezüglich Drehbuch, Stab und Besetzung. Er bedient den persönlichen Geschmack und das im besten Falle bei gleichbleibender Qualität. Ganz anders gestaltet sich die ganze Sache, wenn man schon bescheidene Erwartungen hatte und diese nicht nur bestätigt, sondern auch noch unterboten werden. Ja, man kann tatsächlich noch überrascht sein über erschreckend miese Qualität, selbst wenn man schon damit gerechnet hat, das gilt für Drinks ebenso wie für Filme.

Es ist davon auszugehen, daß Mr. Tennant sich triumphierend die Hände rieb, als er plante, eine Romantic Comedy mit Adventure-Charakter zu drehen und ihm hierfür auch noch Kate Hudson und Matthew McConaughey zusagten – Altbewährtes mit neuem Pfiff also. Dummerweise kommt man sich als Zuschauer, der noch nicht ganz den Kopf in den Sand gesteckt hat, reichlich verkohlt vor, wenn man das Gefühl bekommt, Opfer einer traurigen Klischee-Parade zu werden – nichts anderes kann dabei herauskommen, wenn man alles abzuhaken versucht, was die vermeintliche Trickkiste so bereithält. In diesem konkreten Fall kam dabei ein Haufen flach angelegter Figuren heraus, eine unglaubwürdiger als die andere, die langsam aber sicher im zusammengeklaubten Storysumpf untergehen. Kein Mensch weiß, warum der wunderbare Donald Sutherland sich hier zum schwerreichen Geldgeber der Schatzsucherei verwursten läßt, vielleicht weil ihm das stumpfsinnig-schrille Gebrabbel seiner Filmpartnerin Alexis Dziena, die seine geldgeile und dabei selten doofe Tochter spielt, das Hirn weichgekocht hat. Der Teil der Geschichte, in dem Ex-Rapper Bigg Bunny zum ebenfalls schatzsuchenden Kontrahenten wird, kann ihn wohl kaum überzeugt haben.

Das »Dreamteam« McConaughey/Hudson, das sich schon in Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen? erfolgreich zum Affen gemacht hat, bleibt seinem Qualitätsstandard auch in Ein Schatz zum Verlieben (man beachte den Originaltitel Fool’s Gold) treu. McConaughey scheint sein neues Vorbild in Popeye gefunden zu haben: Mit einem schon beinahe lächerlich gestählten Body stakst der Muskelprotz durch seine Rolle, so daß man sich fragen muß, ob ihm schonmal jemand gesagt hat, daß auch Sport zu einer Sucht werden kann – spätestens dann, wenn es im Leben nichts anderes mehr zu geben scheint. Kate Hudson tut das, was sie seit Almost Famous immer tut: Sie wirft die Frage auf, warum um Himmels willen ihr niemand eine ordentliche Rolle anbietet und ob es das jetzt tatsächlich gewesen ist und warum sie nicht verdammt nochmal einfach wieder Penny Lane sein kann. Und ob ihr nicht vielleicht ein Scheibchen Sportbesessenheit von ihrem Filmpartner und vor allem regelmäßige Nahrungsaufnahme ganz gut bekommen würden, oder ob sie sich nun nicht nur der hollywoodschen Rollenauswahl, sondern auch der Kollektiv-Eßstörung ergeben hat. Und so machen die flachbrüstige Kate und der vollbusige Matthew das Paket komplett, das dazu führte, daß die Autorin wutschnaubend aus dem Kino kam, weil alles so war, wie sie es sich schon gedacht hatte, nur eben noch ein bißchen schlimmer. 2008-04-21 09:56
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