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Street Kings

USA 2008. R: David Ayer. B: James Ellroy, Kurt Wimmer, Jamie Moss. K: Gabriel Beristain. S: Jeffrey Ford. M: Graeme Revell. P: Regency Enterprises, Yari Film Group, Emmett, Furla Films, Millennium Films. D: Keanu Reeves, Hugh Laurie, Chris Evans, Forest Whitaker, Terry Crews, Naomie Harris, Amaury Nolasco, Jay Mohr, John Corbett u.a.
108 Min. Fox ab 17.4.08

Drögenthriller

Von Sascha Ormanns Geschichten zu erzählen ist oftmals nicht leicht, dabei noch kreativ zu sein und etwas Neues zu erfinden noch viel komplizierter. Vermutlich greifen viele Drehbuchautoren und Filmemacher gerade deshalb so häufig auf bereits existierende (und funktionierende) Ideen zurück und versuchen, sie in ihrem eigenen Erzähl- und Bildstil darzubieten. Martin Scorseses Œuvre beispielsweise besteht – zumindest partiell – aus Filmen, die sowohl Metier als auch Inhalt miteinander gemein haben, und doch vermag es Scorsese, jedem dieser Filme eine eigene Note zu verleihen. Jedoch bestätigen diese Ausnahmen auch hier die allzu häufige Regel: Meist wird einfach ein Eintopf mit Zutaten verrührt, die nicht miteinander harmonieren, bei dem obendrein die entscheidende Prise Salz fehlt: so auch bei Street Kings.

Guter-Cop-versus-böser-Cop-Geschichten sind wahrlich nicht rar gesät in Hollywoods Traumfabrik und mittlerweile wohl aus jeder erdenklichen Perspektive abgehandelt worden. Daß aber auch James Ellroy es nicht vermag, aus diesem Stoff etwas Neues zu destillieren, muß und wird den Genrefan überraschen. Street Kings bedient sich teilweise sowohl inszenatorisch als auch inhaltlich bei Actionklassikern wie Lethal Weapon, neueren Filmen wie 16 Blocks oder Titeln aus der Filmographie des Regisseurs.

Während Richard Donner – respektive Autor Shane Black – und Mel Gibson mit Martin Riggs damals eine Figur zeichneten, die in ihrer Verrücktheit und inneren Zerrüttung fabulös gelang, mimt Keanu Reeves den Cop vom selben Typus nur unzureichend. Gibson spielte damals facettenreich und intensiv, was von Reeves wohl nicht zu erwarten ist. Die Figur Detective Tom Ludlow bleibt – besonders im Vergleich – immer blaß und nichtssagend. David Ayer gelingt es zwar in einigen Momenten, die Hauptfigur so in Szene zu setzen, daß Keanu Reeves’ eintöniger Gesichtsausdruck die Kaltschnäuzigkeit des Protagonisten noch untermauert; dennoch erwartet man von Schauspielern eben mehr als das. Wenn in eindeutig emotionalen Szenen das Gegenüber Reeves an die Wand spielt, weil sein Gesicht in Starrheit und Ausdruck eben einer solchen ähnelt, dann ärgert man sich als Zuschauer und muß einem Forest Whitaker oder Hugh Laurie umso mehr Respekt zollen, daß sie auch ohne große Reaktion des Spielpartners ihre Rolle überzeugend entfalten konnten.

Originalität und einen überzeugenden Hauptdarsteller darf man von Street Kings also nicht erwarten, dafür kann David Ayers zweite Regiearbeit mit einer glänzenden, gleichzeitig düsteren L.A.-Atmosphäre, viel Blut und einer ordentlichen Prise Gewalt aufwarten. Am Ende schafft es der teils in schnellen Schnitten montierte Film aber zu keiner Zeit, eine ihm eigene Ästhetik zu erzeugen, die ihn klar als eigenständiges Werk klassifizieren würde. 2008-04-15 20:25

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