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Fleisch ist mein Gemüse

D 2008. R,B: Christian Görlitz. K: Andreas Höfer. S: Klaus Dudenhöfer. P: ndF, NDR. D: Maxim Mehmet, Susanne Lothar, Susanne Bormann, Martin Brauer u.a.
120 Min. Universal ab 17.4.08

Gemüse für die Drüse

Von Kerrin Devos Um Vergleiche mit dem Buch gleich vorwegzunehmen: Ja, das Buch ist anders, vor allem fieser, ekliger, verzweifelter. Trotzdem Hut ab: Dem großen Ganzen wird der Film gerecht, wenn auch ein kleiner Weichzeichner darüberliegt und der jungenhafte Maxim Mehmet als Heinz Strunk ein bißchen passiver ist, eher das Fähnlein im Winde und nicht der rücksichtslos selbstdarstellerische Mir-ist-schon-lange-nichts-mehr-peinlich-Heinz, der uns noch jeden einzelnen Eiterpickel dramaturgisch gekonnt, sozusagen zum Greifen und Ausquetschen nah, beschreibt.

Schon weil viele der Figuren relativ blaß und oberflächlich bleiben, kann man diesen Film nicht besprechen, ohne ein paar Worte über Gurki zu verlieren, Gurki, der Dreh- und Angelpunkt, Gurki, der für so vieles steht, was einfach gar nicht geht, und der so tolle Sätze sagen darf wie: »Ja, da klatschen die Apachen« oder »Jetzt gibt’s Gemüse für die Drüse.« Dabei ist Gurki eigentlich genau so eine arme Sau wie fast alle anderen Figuren im Film, nur merkt er es nicht und ist deshalb beinahe besinnungslos vital. Unbedingt erwähnenswert sind Heinz’ Mutter, deren Geschichte sich wie ein roter Faden durch den Film zieht und die dabei unaufhörlich auf den Abgrund zusteuert, sowie die mit ihrer Verzweiflung ansteckende Nachbarin, deren tragische Hoffnungslosigkeit nicht nur Heinz, sondern auch den Zuschauer völlig hilflos macht.

Warum Heinz Strunk selbst als Kommentator und an der Wand hängende Jagdtrophäe auftritt, ist zwar nicht ganz plausibel, aber es stört auch nicht weiter und ermöglicht am Ende sogar einen einigermaßen gelungenen erzählerischen Bogen. Eine Komödie sollte es nicht werden, Grund zum Lachen gibt es trotzdem reichlich. Erfreulich ist das entschmalzte Drehbuch. Vom gehemmt-gebremsten Heinz, umgeben von labilen, kranken, überforderten oder unerreichbaren Frauen, über gruselig-authentische Gasthofkomparsen und Filmmusik zum Mitswingen bis hin zu einer (einzigen) famosen Sexszene ist also alles dabei. Fazit: geil abgeliefert! 2008-04-11 13:11

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #50.

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