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Up! Up! To the Sky

D 2007. R,B: Hardi Sturm. K: Philipp Sichler. S: Antje Zynga. M: Dürbeck & Dohmen. P: schneider + groos filmproduktion. D: Katja Riemann, Max Riemelt, Armin Rohde, Anneke Kim Sarnau, Charly Hübner, Stephan Kampwirth, Matthias Klimsa, Hildegard Kuhlenberg, Joachim Dietmar Mues, Uwe Rohde u.a.
93 Min. Zorro ab 10.4.08

Gut oder Böse – so einfach ist das

Von Sebastian Gosmann Am Anfang von Hardi Sturms Kinodebüt stehen Hochglanzbilder, wie sie das Werbefernsehen nicht besser hinkriegen würde. Sie zeigen eine Frau, die in einer von warmem Sonnenlicht durchfluteten Küche Frikadellen zubereitet; die Lieblingsspeise ihres Sohnes, wie wir später erfahren werden. In Zeitlupe streicht sie mit dem Messer über das Schneidebrett, locker-flockig rieseln die Zwiebelwürfel in eine Porzellanschüssel und vermischen sich mit den restlichen Zutaten. Weibliche Hände entzünden ein Streichholz, platzieren sachte eine Pfanne auf dem Gasherd. Eine anmutige Sequenz, an deren Ende Katja Riemanns vor Schweiß glänzendes Dekolleté steht, eine Sequenz, welche nicht nur die Zuneigung, die sie für ihren Sohn empfindet, überzeugend zu illustrieren vermag, sondern ebenso die konservierte Erotik einer Frau, die vor Sehnsucht nach ihrer vor langer Zeit verschollenen großen Liebe zu vergehen droht. Doch die Grazie, mit der die Figur eingeführt wird, wird spätestens zu jenem Zeitpunkt zerstört, in dem sie ihren langjährigen Verehrer aus einem wahrlich hanebüchenen Grund plötzlich doch als Mann ihres Herzens erkennt und dieser sich tölpelhaft auf sie stürzen darf. Dies ist eine der Szenen, die wohl das Etikett »Komödie« rechtfertigen und der an sich tragischen Geschichte den nötigen Schmiß verleihen sollen. Doch fällt nahezu jeder dieser gewollt komödiantischen Momente entweder ähnlich klamaukig aus wie der soeben beschriebene oder ist als solcher kaum zu erkennen. So gelungen die immer wieder eingestreuten atmosphärischen Bildfolgen auch sind, mit denen Hardi Sturm seinem Film eine leicht ätherische Note verleiht, dem Regisseur fehlt es schlicht an inszenatorischem Geschick, um beispielsweise den durchaus vorhandenen Dialogwitz angemessen zur Geltung zu bringen.

Das Hauptproblem von Up! Up! To The Sky aber ist, daß Sturm seinen Zuschauern einfach ein zu großes Maß an Geduld und Nachsicht abverlangt. So muß dieser etwa bereit sein, das märchenhaft-naive Weltbild und das damit verbundene, stark vereinfachte Konzept von Gut und Böse bedingungslos zu akzeptieren, welches Up! Up! To The Sky etabliert. Ist der Betrachter dazu nicht in der Lage, so wird er sich an der – als intolerantes und mit Filzlausbefall gestraftes Pack – ärgerlich holzschnittartig dargestellten Landbevölkerung ebenso stören wie an dem ähnlich klischeehaften Bild, welches Sturm von der Psychiatrie und deren Insassen zeichnet. Als Plädoyer für Andersartigkeit feiert der Film die Schrulligkeit seiner Hauptfiguren; dies jedoch derart ausgiebig, daß er in seinem Wahn jedwede gegensätzliche Meinung schon im Keim erstickt. Jeder, der sich traut, Arnolds Mutter auch nur eine Überprüfung der geistigen Zurechnungsfähigkeit ihres Sohnes nahezulegen, wird nicht nur Lügen gestraft, sondern dreisterweise umgehend selbst für plemplem erklärt; seien es die unsympathischen und charakterlosen Ärzte und Pfleger der Klinik, die als Vertreter der modernen Wissenschaft denkbar schlecht davonkommen, oder eben das argwillige Provinzvolk. So verständlich Sturms Kritik am elitären Denken etwa der Schulmedizin auch sein mag, die Einseitigkeit, mit der er diese und andere Themen verhandelt, nervt auf die Dauer doch gewaltig. Auch wenn das alles wahrscheinlich gar nicht so ernst gemeint ist. 2008-04-08 12:38
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