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Der rote Baron

D 2007. R,B: Nikolai Müllerschön. K: Klaus Merkel. S: Olivia Retzer, Emmelie Mansee. M: Dirk Reichardt, Stefan Hansen. P: NIAMA-Film, Red Baron Productions. D: Matthias Schweighöfer, Lena Headey, Til Schweiger, Joseph Fiennes, Volker Bruch, Maxim Mehmet, Steffen Schroeder, Hanno Koffler, Tino Mewes, Ralph Misske, Axel Prahl u.a.
120 Min. Warner ab 10.4.08

Abgeschmiert

Von Oliver Baumgarten Die Legende Manfred von Richthofens, des tollkühnen Fliegers, dessen Gegner ihn nicht nur mit Furcht, sondern auch mit Respekt bedachten, obwohl er achtzig von ihnen gewaltsam vom Himmel geholt hat, diese Legende also kennt noch heute, 90 Jahre nach von Richthofens Tod, jedes Kind. Das ist reichlich ungewöhnlich für eine Nation, die ansonsten gut daran tut, der Pflege jedweden Kriegsheldentums öffentlich zu entsagen. Diese Langlebigkeit mag durchaus daran liegen, daß der »Rote Baron«, wie von Richthofen posthum getauft wurde, irgendwie nicht so recht dem Bild eines kämpfenden Soldaten, eines Kriegers entsprechen mochte – zu sehr schien sich seine Jagdfliegerei im Laufe der Zeit als eine Art Sport verklärt zu haben, und selbst das Ausland begegnete dem »Roten Baron« noch zu Lebzeiten stets ehrenvoll. Tatsächlich aber hat auch eine Figur wie Manfred von Richthofen natürlich nichts weiter als irgendwie ihre Pflicht getan, weshalb der ihm anhängende Heroismus letztlich und zumindest aus heutiger Sicht mehr als fragwürdig erscheint.

An diesem biographischen Stoff interessiert Regisseur Nikolai Muellerschoen indes leider weniger die Frage, unter welchem Aspekt man eine Figur wie von Richthofen heutzutage eigentlich noch beleuchten könnte. Was Muellerschoen vielmehr in dem Stoff zu finden sucht, ist schlicht und ergreifend die Schnulze. Bei ihm erscheint das so genannte »Flieger-As« als unreife Göre, als adliger Halbstarker, dem erst durch die Liebe zu einer Frau klar wird, wie grausam der Krieg ist. Im Grunde genommen stellt es sich sogar so dar, daß die von Lena Headey mit ständiger Sorgenfalte ausgestattete Käte ähnlich einer liederlichen Spaßbremse dem Kampfpiloten letztlich jene Unbeschwertheit nimmt, die ihn zuvor das Gefecht stets hat gewinnen lassen. Und so gipfelt denn der Film auch in jenem von gefühlten Streichern unterlegten Moment, in dem von Richthofen seiner Käte liebevoll zusäuselt: »Du bist mein größter Sieg.« Das also soll es sein, was heute noch an der Legende des »Roten Barons« interessiert, nämlich daß die Liebe Augen zu öffnen vermag, was hier zur Folge hat, daß von Richthofen dann eben offenen Auges ins Verderben rennt? Mit dieser inhaltlichen »Last Man Standing«-Attitüde will sich das Werk offenbar in der Nachbarschaft von Filmen wie Pearl Harbor als Hollywoodschnulze wichtig machen – besser wird’s dadurch leider nicht.

Dabei sind diese inhaltlichen Plattitüden wirklich bedauerlich, denn optisch hat der Film eine Menge zu bieten. Mit infernalischen Bildern von rußgeschwärzten Schlachtfeldern, grausamen Kampfszenen und blutigen Verletzungen hat Muellerschoen düstere Tableaux geschaffen, die eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Grauen des Ersten Weltkriegs und den »Tugenden« von Soldaten verlangt hätten. Seine Erzählung aus dieser unkritischen Haltung heraus aber vermag jenen durchaus eindrucksvollen Bildern nichts entgegenzusetzen. Überhaupt ist die Ausstattung des Films, das so genannte »Production Value«, bemerkenswert: großzügige Kamerafahrten durch lebhafte Straßen im historischen Berlin, komplett ausgestattete Fliegerstaffeln, mit viel Liebe zum Detail versehene Sets und schließlich aus Digital- und Realmaterial montierte Luftkämpfe, die – auch im internationalen Vergleich – nichts zu wünschen übriglassen. Der zu großen Teilen in Tschechien gedrehte Film stellt diese für das deutsche Kino ungewöhnliche Üppigkeit zur Schau wie ein kleiner Junge sein viel zu großes Fahrrad: Er kann leider nichts Sinnvolles damit anfangen. Nicht einmal die wirklich ansehnliche Besetzung vermag die tiefen Krater zu überspielen, die sich auf dem Weg zur Schnulze im Geflecht der Dramaturgie gebildet haben. Und so schmiert Der Rote Baron dann am Ende leider trotz illustrativen Talents der Crew doch recht unsanft ab. 2008-04-07 18:56

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