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Outsourced – Auf Umwegen zum Glück

Outsourced. USA 2006. R,B: John Jeffcoat. B: George Wing. K: Teodoro Maniaci. S: Brian Berdan. M: BC Smith. P: ShadowCatcher Entertainment, Mosaic Films. D: Asif Basra, Ayesha Dharker, Josh Hamilton u.a.
105 Min. Fox ab 10.4.08

Das Glück hat keine Postleitzahl

Von Arezou Khoschnam Der Plot von Outsourced ist nun wirklich nicht neu. Der Film zeigt, wie der Durchschnittsamerikaner Todd durch eine unfreiwillige Reise ins ferne Indien zu sich selbst findet. Doch handelt es sich bei dieser amerikanischen Produktion überraschenderweise um keinen verunglückten Versuch, das beliebte Culture-Clash-Thema in Szene zu setzen. Möglichen Befürchtungen zum Trotz gelingt Regiedebütant John Jeffcoat eine Begegnung der Kulturen ohne ermüdende Déjà-vu-Erlebnisse oder platte, klischeedurchtränkte Gags am laufenden Band. Stattdessen serviert er dem dauerschmunzelnden Publikum eine durchweg unterhaltende Komödie mit kleinen und großen Lebensweisheiten, die durch ihren unaufdringlichen Charme zu punkten weiß.

Als Aufhänger dient das brandaktuelle »Outsourcing«, womit die Verlagerung von Arbeitskräften in Billiglohnländer gemeint ist. Todd ist in Indien für die optimale Schulung der einheimischen Callcenter-Mitarbeiter zuständig. Da ihr indischer Akzent potentielle amerikanische Kunden abschreckt, sollen sie sich bemühen, wie waschechte Amerikaner zu klingen. Eine solch selbstreflexive Anspielung auf das politische Bestreben der Supermacht, dem Rest der Welt die eigenen Lebensformen gedankenlos überstülpen zu wollen, ist natürlich mehr als erfrischend.

Der mehrfache Festivalabräumer bietet manches Mal wahrlich köstliche Situationskomik, beispielsweise, als ein kleiner Junge dem erschöpften Todd im überfüllten Zug kurzerhand seinen eigenen Sitzplatz anbietet, nur um sich dann wie selbstverständlich auf dessen Schoß zu setzen. Derjenige, der sich letztendlich anpassen und dazu lernen muß, ist »Mr. Tod«, wie die Einheimischen den Ausländer nennen. Aus Borniertheit wird im Laufe des Films Gelassenheit, und Todd eignet sich sogar angesichts eines unter Wasser stehenden Callcenters die »Kein-Problem«-Mentalität der immerzu freundlichen Inder an.

Josh Hamilton verkörpert den anfangs steifen Anzugtypen mit reduzierter Mimik äußerst glaubwürdig und bildet einen krassen Gegenpol zum farbenfrohen Indien, das dem Zuschauer in einnehmenden Bildern Lust auf das Land macht. Elend und Schönheit werden dabei von der Kamera wohldosiert eingefangen, ohne die Leichtigkeit der Komödie zu gefährden oder die Augen vor der Realität zu verschließen.

Es ist ein kultivierter Widerspruch der westlichen Welt, daß man oft erst eine weite Reise antreten muß, um zu begreifen, daß das Glück keine Postleitzahl hat. Nicht die Suche führt zum lang ersehnten Glück, sondern die innere Einstellung. 2008-04-03 17:41

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #50.
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