Spacey’s Five
Von Jutta Klocke
In seiner Grundsubstanz ist 21 nichts anderes als ein klassischer Teenie-Film: Der glanzlose (Anti-)Held liebt das coolste Mädchen der Schule und schafft es tatsächlich, in ihr Universum aufzusteigen, verleugnet dabei jedoch seinen liebenswerten, aber eben nun mal drögen Charakter und kehrt am Ende, geläutert durch die verfehlte Gier nach einem falschen Alter ego, in seine eigene Welt zurück – natürlich Hand in Hand mit dem Mädchen. Als Pendant zur discokugelglitzernden Aula, in der sich der als Erwachsene verkleidete Nachwuchs dem Initiationsritus der Prom Night unterzieht, dient die ähnlich blinkende Kulisse von Las Vegas, die fünf ähnlich kostümierte Mathestudenten durchstreifen, um an den Black Jack-Tischen der Casinos mit rein logischem Kartenzählen das große Geld zu machen.
Es ist nicht ohne Ironie, daß die Umsetzung dieser recht vorhersehbaren Geschichte dort scheitert, wo ihr Protagonist zwar blessiert, aber dennoch strahlend siegt. Denn auch der Film streift sich ein um einige Nummern zu großes Gewand über. Der harmlose Plot wird im Drehbuch zu einem Caper Movie hochfrisiert, dessen hochtrabende Versprechen auf einen mitreißenden Spannungsbogen ins Leere laufen. Kamera und Montage leisten ihren Beitrag zu dieser Scharade, indem sie die Figuren mit ausschweifenden Fahrten und wirbelnden Schnitten als gewiefte Glamour-Helden feiern. Dabei sind diese Studenten doch bloß Zahlen-Nerds und nicht die coolen Gangster, in deren Posen sie schlüpfen – angeführt von einem Professor, dessen knallharte Maske auf Kevin Spaceys Gesicht ebenso aufgesetzt wirkt wie Kate Bosworths mal blond, mal braun gefärbte Frisur. Das ganze wirkt wie eine Schulaufführung von Ocean’s Eleven; die lässigen Gesten und die durch-gestylten -Bilder sind nur abgeguckt und offenbaren in ihrer Künstlichkeit auch noch das Schülerstreichhafte des »großen Coups«. Da nützt der Geschichte auch die Berufung auf die zugrundeliegenden »wahren Begebenheiten« nichts, um an Wirkung zu gewinnen. Wo Soderbergh bewies, daß bei einem selbstbewußten Stilzitieren auch die hanebüchenste Logik erlaubt ist, da widerlegt 21 den Umkehrschluß, daß eine verbriefte Wahrscheinlichkeit auch die unreflektierte Aneignung eines fremden Stils legitimiert.