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Hardcover

D 2008. R,B: Christian Zübert. K: Jules van den Steenhoven. S: Hans Funck. P: Little Shark Entertainment. D: Lucas Gregorowicz, Wotan Wilke Möhring, Justus von Dohnanyi u.a.
93 Min. Universum ab 3.4.08

Preisreduziertes Mängelexemplar

Von Carsten Tritt Bezeichnend für Hardcover ist jene Sequenz, in welcher der Figur Dominik nicht der Begriff »Roman« einfällt, sie stattdessen von »richtigen Büchern« faselt und unfähig scheint zu definieren, was ein Groschenroman ist, um nur eine Minute später plötzlich über Vierfarbdruck und Hardcover-Ausgaben zu fachsimpeln. Christian Zübert will in der Tradition des Buddy-Movies zwei grundverschiedene Typen zusammenführen, hat letztlich aber das Problem, daß die Zeichnung eines der beiden dargestellten Milieus konsequent scheitert.

Die andere Figur, der ambitionierte wie lebensfremde Autor Christoph, ist dabei glaubwürdig gelungen, hier ist Zübert teilweise sogar zu nahe an seiner Figur, wenn die Komik auch mal in den Mitschämeffekt umschlägt. Christoph will über eine ihm fremde Szene recherchieren, gerät hierbei an den kleinkriminellen Dominik, der gerne ein harter Mann wäre. Dominik und sein gesamtes Umfeld bleiben dem Drehbuchautoren umso fremder, und folglich bleibt auch die Beziehung zwischen den Protagonisten bloße Behauptung. Hardcover erreicht weder die Authentizität, die Christoph zu suchen behauptet, noch verfällt er den Klischees, über die er sich in seiner Eröffnungssequenz zu mokieren versucht. Sein Beharren auf den Wert der vorgeblich wahren Freundschaft könnte fast schon falsche Sozialromantik sein – wenn es denn hinreichend kitschig wäre, aber nicht einmal das ist der Fall. Züberts Film läßt vielmehr vergeblich darauf warten, daß endlich etwas passiert, damit er sein Potential ausspielt – das Schauspiel, die Kamera, sogar in weiten Teilen die Inszenierung sind doch, nun ja, weitestgehend konventionell, aber sicher nicht schlecht. Aber irgendwann kommt dann doch der Abspann statt des zündenden Funkens, und der Film wird zu dem, was ein Beispiel von Freundschaft am wenigsten sein sollte: Er wird zu einem nichteingehaltenen Versprechen. 2008-03-28 14:23

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #50.

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