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Jodhaa Akbar

IND 2008. R,B: Ashutosh Gowariker. B: Haidar Ali. K: Kiran Deohans. S: Ballu Saluja. M: A.R. Rahman. P: Ashutosh Gowariker Productions Pvt. Ltd., UTV Motion Pictures. D: Hrithik Roshan, Aishwarya Rai, Ila Arun u.a.
213 Min. Rapid Eye Movies ab 3.4.08

Happy End in Hindustan

Von Agnes Frey Ein kurioser Vorwurf an ein Liebesepos aus Bollywood: Der neueste und mit Spannung erwartete Kostümfilm von Ashutosh Gowariker (Lagaan) halte sich nicht an historische Fakten. In Rajasthan vermuteten einige die inkorrekte Repräsentation ihrer Vorfahren und kippten dort den Kinostart. Dabei macht der Film bereits im Prolog deutlich, daß er ins Reich der Legenden und guten Hoffnungen entführen wird. Eine sonore Erzählerstimme, die den Zuschauer in und aus dem Film begleitet, erläutert fix die Vorgeschichte und überläßt dann farbenprächtigen Bildern und einem rhythmischen Soundtrack die Arena. Daß eine Liebesgeschichte, die vor allem Auge und Gefühl ansprechen will, politisch ernst oder gar unter Ideologieverdacht genommen wird, scheint überzogen.

Zumal die Utopie eine wünschenswerte ist. Die friedliche Koexistenz von Hindus und Moslems wird personifiziert mit Akbar und seiner Ehefrau Jodhaa, deren Glauben der muslimische Herrscher toleriert, um ihr Herz zu erobern. Obwohl oft vom »Volk« die Rede ist, dreht sich der Film vornehmlich um die Hauptfiguren, deren Liebe Politik und Intrige immer wieder zu zerstören drohen. Doch keine Bange. Mit melodramatischer Schlagartigkeit werden Verräter entlarvt und tödlich Verletzte wieder gesund. »Der Himmel ist dort, wo die Herzen mit Liebe gefüllt sind«, sagt ein muslimischer Gelehrter einmal zu Akbar. Und die Hölle da, wo der Haß regiert. Auf dem Schlachtfeld, wo Elefanten Köpfe zertreten und Pfeile in Augäpfel schnellen, geht es folgerichtig häßlich zu – wenn auch spektakulär, wofür rasante Kamerafahrten, Massenszenen und obligatorische Zweikämpfe sorgen. Das Paradies aber ist dort, wo Akbar und Jodhaa ihre Liebe besingen. Wie Götter setzt Gowariker seine Stars in Szene. In ausführlichen Großaufnahmen verweilt die Kamera bei den schönen Augen der Miss World 1994 oder dem nackten Oberkörper Roshans, der in Zeitlupe schweißglänzend Schwertübungen vollführt. Wie bei Gowariker üblich werden die Dance- und Song-Szenen fließend in die Ökonomie der Erzählung eingebettet, um Stimmungen und Emotionen zu intensivieren. Damit verweigern sie sich trotz in Topshots gefilmter Massenornamentik dem Nummerncharakter westlicher Musicals.

Jodhaa Akbar zaubert eine exotische Welt voller Schönheit und Reichtum auf die Leinwand. Kampfhandlungen und Fieslinge werden zugelassen, um Spannung und Handlung voranzutreiben, gefährden aber nicht das Happy End und den Frieden der Völker. Für Bollywood-Begeisterte sicher ein Muß und gut geeignet für Neueinsteiger. Einfach das Herz öffnen und den Kopf raushalten. Aber der ist ja, Krishna sei Dank, mit Untertitellesen beschäftigt. 2008-03-28 14:17

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #50.

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