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Kontakt

D/F/MK 2005. R,D: Sergej Stanojkovski. B: Gordan Mihic. K: Tomislav Pinter. S: Andrea Pugner. M: Peer Raben, Michael Bauer, Florian Moser. P: busse & halberschmidt filmproduktion, MACT Prods., Sektor Film. D: Labina Mitevska, Nikola Kojo, Petar Mircevski, Vesna Petrushevska, Vladimir Endrovski u.a.
100 Min. Filmlichter ab 27.3.08

Verlassene Zellen

Von Cornelis Hähnel Nicht nur die Filmverrückten kennen viele Beispiele für Verrückte im Film. Kaum hat man das Cabinet des Dr. Caligari verlassen, legt man einen Zwischenstopp in Bates Motel ein, begegnet Baby Jane und einer beeinflußten Frau, fliegt dann übers Kuckucksnest, um irgendwann mit all den Hannibal Lecters, Michael Myers und Lindsay Lohans im weißen Rauschen zu verschwinden. Der Wahnsinn hat viele verschiedene Gesichter, und das Kino liebt sie alle. Die deutsch-mazedonische Koproduktion Kontakt zeigt nun ein ruhiges und fast zerbrechliches Gesicht. Es gehört der 25jährigen Zana, die nach Jahren aus der Psychiatrie entlassen wird. Zwar ist sie erst auf dem Weg der Besserung, aber die Plätze in der Anstalt sind knapp, und man möchte eine lukrative Nebenerwerbsquelle nicht verlieren: Das Irrenhaus dient gesuchten Kriegsverbrechern als Versteck, die dort unter falschen Namen und Diagnosen einquartiert werden. Zeitgleich wird auch der aggressive Janko auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Sein Halbbruder Novak soll ihm in seinem Hotel einen Job verschaffen. Novak ist aber zugleich zum Vormund von Zana erklärt worden, da er mit ihrer Schwester verheiratet war und somit der einzige Verwandte von ihr in Mazedonien ist. Novak beschließt, Janko als Aufpasser von Zana zu engagieren und überläßt die beiden sich selbst. Nach und nach kommen sich die verletzliche junge Frau und der ungehobelte Ex-Knacki näher und bauen langsam Vertrauen zueinander auf.

Regisseur Sergej Stanojkovski nimmt sich die nötige Zeit, seine beiden Protagonisten zusammenzuführen. Erst allmählich merken die beiden, wie ähnlich sie sich doch sind und vergessen ihre anfängliche Abneigung. Daß dies glaubhaft geschieht, ist vor allen Dingen den großartigen Hauptdarstellern zu verdanken, die ihre Rollen trotz derer schwierigen Vergangenheit niemals vorführen, sondern würdevoll und voller Stolz verkörpern. Auch wenn sie gebrochene Menschen sind, strahlen sie eine wundersame Stärke aus. So ist es nicht erstaunlich, daß im Laufe des Films die beiden als die einzig Normalen wirken. Das dargestellte Mazedonien ist ein trauriges und strauchelndes Land, ohne jedoch zu einer sozialpornographischen Ostblock-Karikatur zu verkommen. Die Schwierigkeiten des Landes, Korruption, Armut, Balkankrieg usw., werden, obwohl sie fast nur beiläufig thematisiert werden, zu einem Symbol der Widerstände, an denen Zana und Janko nicht scheitern wollen. Und so durchzieht den Film, trotz aller Dramatik, immer ein leiser Anflug eines Lächelns, kleine Gesten und Dialoge, die der Ungastlichkeit des Ortes trotzen und der Absurdität der Situation hoffnungsvoll begegnen. Dementsprechend ist es ein heller Film geworden, der seine Bilder in klaren Farben findet und sie bewußt der klischierten grauen Trostlosigkeit entgegensetzt. Abgerundet wird er mit der Musik von Peer Raben, seiner letzten Arbeit, die sich unaufdringlich, aber kraftvoll in den Film einfügt. Ein sensibler Blick auf zwei scheinbar gescheiterte Existenzen, die sich selbst und das Gegenüber kennenlernen wollen und mit all ihrer Kraft versuchen, ihre Zuversicht und ihre Liebe nicht zu verlieren. Auch wenn sie dabei denken, vor Schmerz fast verrückt zu werden. 2008-03-27 13:34

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