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Daddy ohne Plan

The Game Plan. USA 2007. R: Andy Fickman. B: Nicole Millard, Kathryn Price. K: Greg Gardiner. S: Michael Jablow. M: Nathan Wang. P: Walt Disney Pictures. D: Dwayne »The Rock« Johnson, Madison Pettis, Kyra Sedgwick u.a.
110 Min. Walt Disney ab 27.3.08

Wer nicht fragt bleibt dumm

Von Martin Thomson Manchmal, um nicht zu sagen: häufig, tun sich einem im Leben Fragen auf, die sich nicht auf eine Weise beantworten lassen, daß man darüber am liebsten den Kopf verlieren möchte. Im vorliegenden Fall dürfte wohl eine der Fragen lauten: Warum bekommen üblicherweise im Action-Filmgenre tätige Akteure, deren Präsenz sich vormals auf das Vorführen ihres gestählten Körpers beschränkte, fast immer einen Film zugesprochen, der den zum Scheitern verurteilten Plan verfolgt, sie in familientauglicher Unterhaltung unterzubringen? Sei es Arnold Schwarzenegger in Der Kindergarten Cop, Sylvester Stallone in Stop! Oder meine Mami schießt oder Vin Diesel in dem erst kürzlich verrissenen Babynator; der hinterletzte Rest an Anerkennung, der sich für derlei fleischgewordene Spielzeugfiguren aufbringen läßt, ist nämlich nach Sichtung dieser prinzipiell mißratenen Ramschware oftmals auch noch dahin.

Eine mögliche Antwort wäre vermutlich, daß unkreativen Produzenten die Grundrezeptur, man nehme einen dem Genre gegenläufigen Schauspieler und konfrontiere ihn mit einem quirligen Kind, vollkommen ausreichend erscheint, um ein Publikum zum Kinobesuch zu bewegen, das sich schon vom blöden Plakat nicht abschrecken läßt und aufgrund der Gewöhnung an unterdurchschnittliche Nachmittagsunterhaltung im Fernsehen ohnehin kein legitimes Geschmacksurteil zu fällen in der Lage ist. Mit Filmen wie Daddy ohne Plan läßt sich das perfekte Verbrechen verüben: Der Hauptdarsteller, er hat ohnehin keinen Ruf als Charakterdarsteller zu verlieren, ist sich nicht zu schade, das Publikum läßt sich rasch ausmachen, das Drehbuch ist sowieso in der Mittagspause von der ambitionsfreien Drehbuchabteilung aufs Papier gewischt worden, und die Produktionskosten können verhältnismäßig niedrig gehalten werden, so daß sie im richtigen Verhältnis zu einem einigermaßen akzeptablen Einspielergebnis stehen. Im Grunde legen derlei Filme die Quintessenz des unkreativen Hollywoodsystems offen, dem sich Studios wie Disney immer noch hingeben können, ohne dabei ihre Sympathie zu verspielen, die ihnen spätestens das nächste Werk aus dem Hause Pixar wieder zurückholt.

Zugegeben: Gut waren sie eigentlich noch nie, die Realfilme aus den Micky-Maus-Studios, aber zumindest wußten einige immer noch mit ein paar guten Ideen aufzuwarten, so daß der Gesamteindruck, der sich gewinnen ließ, die damit einhergehende Verschwendung von Zeit und Geld nicht rechtfertigen konnte, sich aber zumindest verkraften ließ. An Daddy ohne Plan geht nun jedoch jede Hoffnung verloren. Wenn zu Beginn Protagonist Joe Kingman als egozentrischer Footballspieler eingeführt wird, der keinen Sinn für Familie und Verantwortung hat und sich lieber mit Models und seinem Reichtum vergnügt, der gar seine luxuriöse Suite mit seinem Konterfei geschmückt hat, um sich ständig an seinem Erfolg sattsehen zu können, wird es dem geübten Zuschauer nicht schwer fallen zu erraten, daß ihn die kleine Göre, die dann relativ schnell vor seiner Haustür steht und sich auf vermeintlich überraschende Weise als seine Tochter entpuppt, zum verantwortungsvollen Vater gereifen läßt. Aber wer erwartet schon Überraschungen von einem Film, der auf so infantile Weise unlustig ist, daß Kinder das Lachen verweigern werden?

Die letztendliche Frage, die sich stellen sollte, lautet vielleicht weniger warum solche Filme produziert werden, sondern eher, wieso es Menschen gibt, die sie sich anschauen und Menschen, welche jene Zuschauer leichtfertig ausnutzen. Aber wer sich diese Frage nie gestellt hat, der hat sowieso nichts anderes verdient als diesen Film. Das ist zumindest eine Antwort. Wenn auch keine besonders wohlmeinende. 2008-03-24 13:18
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