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Jellyfish – Vom Meer getragen

Meduzot. F/IL 2007. R,B: Shira Geffen. R: Etgar Keret. K: Antoine Héberlé. S: François Gédigier, Sasha Franklin. M: Christopher Bowen, Grégoire Hetzel. P: Lama Productions Ltd., Les Films du Poisson. D: Sarah Adler, Naama Nissim, Ma-nenita De Latorre u.a.
78 Min. Arsenal ab 13.3.08

Meerwärts

Von Marieke Steinhoff Das Wasser steht ihnen bis zum Halse: Keren bricht sich auf ihrer Hochzeitsparty ein Bein und muß ihre Flitterwochen in die Karibik absagen; statt dessen: häßliches Hotel in Tel Aviv, Zimmer ohne Meerblick und Streitereien mit dem Liebsten. Batya, frisch getrennt, vereinsamt in ihrer Bruchbude, in der das Wasser von der Decke tropft, findet ein kleines Mädchen mit immer nassen Haaren am Strand, verliert es und begibt sich auf die Suche, auch nach ihrer eigenen undokumentierten Kindheit. Joy arbeitet als Pflegerin in einem für sie fremden Land, vermißt ihre kleine Tochter auf der anderen Seite der Welt und wünscht sich nichts sehnlicher, als dieser ein Spielzeugboot zum Geburtstag schenken zu können.

Meer, Regen, Tropfen, Tränen – das Wasser wird zum verbindenden Element der drei Episoden, sowohl inhaltlich als auch auf visueller Ebene. Die An- und Abwesenheit des Meeres ist Thema vieler Dialoge, und immer wieder finden sich die drei Frauen in Situationen, wo sie mit Wasser in seinen unterschiedlichsten Erscheinungsformen konfrontiert werden. Dazu Panorama-Aufnahmen, die das Meer zeigen, Nahaufnahmen von den tropfenden Wasserhähnen und -flecken in der Wohnung von Batya, Schwimmreifen, Boote, Quallen – Jellyfish spielt mit vielen Metaphern rund ums Naß und kommt dabei trotzdem nie konstruiert oder schwermütig daher. Das mag zum einen an der Zärtlichkeit und der leisen Komik liegen, mit der sich der Film seinen schwierigen Figuren nähert, und zum anderen an der klugen und unaufdringlichen Dramaturgie, welche die einzelnen Geschichten vorsichtig miteinander verwebt, bis sie in einer Regennacht kulminieren.

Man fragt sich, was das Meer den einzelnen Figuren bedeuten mag, wo es doch ständig in irgendeiner Form präsent ist. Jellyfish verweigert konkrete Antworten, man ahnt aber irgendwie, daß es ein unbewußtes Verlangen nach etwas symbolisiert, nach Kommunikation, Annäherung und Erkenntnis. Keren nervt ihren Mann aufgrund des fehlenden Meerblicks, dabei fehlt eigentlich etwas ganz anderes; Batya findet das Mädchen mit den nassen Haaren am Strand und beginnt, nach ihrer eigenen Kindheit zu suchen; und für Joy drückt das Boot die Sehnsucht nach ihrer Tochter aus.

»Was gibt’s denn am Strand außer Dreck und Quallen?«, fragt sich eine der Nebenfiguren im Film. Für die drei Protagonistinnen nichts geringeres als die Erfüllung ihrer geheimen Sehnsüchte, denen sie nach Momenten des Scheiterns beim versöhnlichen Happy End auch ein großes Stück nähergekommen sind. So poetisch und klug ist die Suche nach dem fehlenden Etwas lange nicht mehr in Bilder und Worte gefaßt wurden. 2008-03-11 17:36
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