— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Die Schwester der Königin

The Other Boleyn Girl. USA 2008. R: Justin Chadwick. B: Peter Morgan. K: Kieran McGuigan. S: Carol Littleton, Paul Knight. M: Paul Cantelon. P: BBC Films, Scott Rudin Productions, Scottish Screen. D: Natalie Portman, Scarlett Johansson, Eric Bana u.a.
115 Min. Universal ab 6.3.08

Kopflose Liebe

Von Constanze Frowein Bedeutungsträchtig ragen die schweren Mauern englischer Kastelle ins Bild: Die Wetterlage kündigt kapiteleinleitend die jeweilige Stimmung im Historiendrama der Geschwister Boleyn an. Nicht die zweite Ehefrau König Henrys VIII., Anne Boleyn, durchdringend gespielt von Natalie Portman, wird in Justin Chadwicks Debüt als – wenn auch kurze – Liebe des als frauenmordender, fettleibiger Tyrann in die Geschichte eingegangenen Herrschers Englands dargestellt, sondern ihre Schwester: Mary Boleyn steht in weichgezeichnet anmutender Gestalt der Scarlett Johansson für die Zuneigung des Monarchen zur Verfügung und kann beinahe die gesamte wahrlich lange Spanne des Films die sympathietragende Rolle mit altruistischen und schwesterlich bemühten Zügen im Gegensatz zu ihrer herrschsüchtigen Schwester tragen.

Dabei verfällt die Übertragung der historischen Figuren nicht durch die unzureichende Leistung der Schauspieler in immer wieder Schmunzeln hervorrufende Allgemeinplätze. Vielmehr formen die geschlechtertypisierenden Dialoge unter anderem einen Henry, der von der Rolle des liebestaumelnden Königs in die des lustgesteuerten und noch viel kopfloseren Wesens verfällt. Zumindest die nachgesagte Launenhaftigkeit, die sich wohl in den sechs Ehen des selbsternannten Königs von Irland widerspiegelte, findet sich auch im Leinwandspektakel. Eine interessante Passage in Henrys Leben bietet die Ehe mit Anne, beinhaltet sie doch auch das Gesetz über den Gehorsam des Klerus von 1532, welches den König an Stelle des Papstes zum höchsten Gesetzgeber der englischen Kirche ernannte.

Der junge Regisseur hat sich mit seinem Erstling an ein spannendes Thema gewagt – und dieses leider verspielt. Denn nicht der an allen Ecken lauernde Machthunger und die dadurch entstehenden historischen Verschiebungen im englischen Königshaus bis hin zum Zerwürfnis mit der römischen Kirche stehen hier im Mittelpunkt, sondern vielmehr die neidverdorbene Beziehung der Boleyn-Schwestern um die Gunst des Mannes als solchen formen die britische Verfilmung des Bestsellers »The Other Boleyn Girl«.

Dabei ließ der Beginn des Filmes zumindest mit der Idee von faszinierender Einflußnahme von Mätressen in Königshäusern auf eine zumindest geschichtlich interessante Handlung hoffen. Filmisch wurde schon zu Anfang des vielumworbenen Berlinale-Teilnehmers deutlich: Perfektionistische Bilder können allzu schnell ermüden. 2008-03-04 12:25

Medien

© 2012, Schnitt Online

Sitemap