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Trip to Asia

D 2008. R,B: Thomas Grube. K: René Dame, Alberto Venzago, Anthony Dod Mantle, Stefan Ciupek. S: Martin Hoffmann. M: Simon Stockhausen. P: Boomtown Media.
108 Min. Piffl ab 28.2.08

Einsamkeit im Einklang

Von Marieke Steinhoff Man kann eine Kritik zu Trip to Asia wohl kaum beginnen, ohne erst einmal auf den fantastischen Vorgänger zu sprechen zu kommen: Rhythm Is It!, der vielfach preisgekrönte Dokumentarfilm über eines der seit 2002 bestehenden »Education«-Projekte der Berliner Philharmoniker, in welchem 250 Kinder und Jugendliche aus 25 Nationen unter tanzpädagogischer Anleitung eine Performance zu Strawinskys »Sacre du Printemps« erarbeiteten und mit viel Erfolg aufführten – was für ein Plädoyer für die Wirkungsmacht von Musik und Tanz! Und jeder wollte danach auch mindestens ein neues Instrument lernen und in die nächste Tanzschule rennen.

Da freut man sich natürlich sehr auf ein Wiedersehen, auch wenn es diesmal »nur« die Berliner Philharmoniker und ihr Chefdirigent Sir Simon Rattle sind, die eine Konzertreise nach Asien antreten. Kein Zauberer namens Royston Maldom und keine schnoddrigen Kinder, die der vermeintlich elitären klassischen Musik mit ihrer ganz eigenen Energie und Herangehensweise begegnen. Und an dieser fehlenden Konfrontation von Gegenwelten krankt der ansonsten wieder großartig gefilmte und hochmusikalisch geschnittene Trip to Asia auch ein wenig. Zu sehen ist die schlichte Aneinanderreihung klassischer Interviewsituationen: Der Gefilmte spricht direkt in die Kamera, der Interviewer ist weder im Bild zu sehen noch zu hören, und die einzelnen Redesequenzen dauern nur wenige Sekunden. Bebildert werden diese Gesprächsausschnitte durch Probe- und Konzertaufnahmen sowie atmosphärische Städte-Impressionen asiatischer Metropolen. Thema ist dabei das Musikerdasein in all seinen Facetten: Einsamkeit, Isolation, die dazugehörige Egozentrik, aber auch das Gefühl der Gemeinschaft in einem so traditionsreichen Orchester. Dieses Philosophieren über den eigenen Beruf gewinnt dabei selten individuelle Züge, scheinen sich doch alle Musiker mit denselben Gedanken zu beschäftigen, namentlich der Zerrissenheit zwischen der Welt des Orchesters, der Musik und des täglichen Übens sowie der restlichen Außenwelt.

So fern sich die Musiker oft dieser Außenwelt fühlen, so fern bleibt dem Zuschauer auch Asien. Außer der Funktion einer schönen Bebilderung erkennt man kaum Zusammenhänge zwischen Interviewausschnitten und Asien-Impressionen, die Bezugnahme wirkt häufig konstruiert, und der gewollte Effekt der Konfrontation westlicher und asiatischer Kultur verpufft dementsprechend. Die Idee der Gegenüberstellung zweier unterschiedlicher Kulturen entspricht der Dramaturgie von Rhythm Is It!, wirkt bei Trip to Asia aber eher aufgesetzt und wäre auch gar nicht nötig gewesen, da der Film zugleich die Ebene des inneren Konfliktes zwischen Musiker-Ego und Außenwelt bereitstellt. Daß dieser nicht ganz so mitreißend und emotional packend erzählt werden kann wie die Konfrontation zwischen »Problemkindern« und Weltklasse-Orchester ist vielleicht ein Manko des Films, der in seinen schwächsten Momenten ein bißchen wie ein schön fotographierter Werbefilm für die Berliner Philharmoniker funktioniert, aber dank der Vertrautheit zwischen Filmteam und Musikern und der familiären Atmosphäre, die damit einhergeht, entsteht doch ein sehr intimes Porträt dieses schwierigen und doch wunderschönen Berufs. 2008-02-25 13:45
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