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Mein Freund, der Wasserdrache

The Water Horse: Legend of the Deep. USA/GB 2007. R: Jay Russel. B: Robert Nelson Jacobs. K: Oliver Stapleton. S: Mark Warner. M: James Newton Howard. P: Beacon Pictures, Walden Media u.a. D: Emily Watson, Alex Etel, Ben Chaplin, Brian Cox u.a.
111 Min. Sony ab 7.2.08

…macht Kinder froh und Erwachsene ebenso

Von Martin Thomson Spätestens seit dem fulminanten Erfolg von Steven Spielbergs E.T. haben fremdartige Wesen, die eine intime Beziehung zu jungen Menschen aufbauen, einen festen Platz im Repertoire des Kinder- und Jugendfilms. Das hängt vermutlich mit dem Umstand zusammen, daß Kindern auf diese Weise einerseits Ideale wie Toleranz und Freundschaft vermittelt werden können und andererseits ihr Bedürfnis nach Vertrauen und Zuneigung geweckt und in der kindlichen Imaginationswelt erblühen kann. Verwunderlich ist dabei immer wieder, wie wenig deckungsgleich die Werte, die von derartigen Filmen ausgehen, mit denen der Erwachsenen sind, die darin meist die Rolle jener einnehmen, die das Fremde für sich beanspruchen wollen.

Regisseur Jay Russel geht nach dem stimmigen Drehbuch von Robert Nelson Jacobs, das auf dem Bestseller von Dick King-Smith beruht, nun einen Schritt weiter, indem er die erwachsenen Figuren als eine aus dem indifferenten Militarismus des Zweiten Weltkriegs erstandene Macht darstellt, die unnötigerweise ein Gebiet verteidigt, das nicht Hort des Hasses, sondern familiärer Ideale ist, die für den sensiblen Protagonisten Angus MacMorrow durch den Verlust des Vaters so schmerzlich gebrochen sind, daß er nicht anders kann als sie in jenes Wesen zu projizieren, das ihm begegnet und dem wiederum er Vater sein darf.

Mein Freund, der Wasserdrache wird von dem Selbstkonflikt eines jungen Menschen mit sich und seiner Umwelt dramaturgisch angetrieben und in das richtige Fahrwasser getrieben. Diese durchweg gefühlsklare Parabel weiß seine pädagogisch wertvolle Aussagekraft richtig zu portionieren und niemals zu überstrapazieren und empfiehlt sich damit als Ausnahmeerscheinung in einem Gros ansonsten eher eindimensionaler Kinderunterhaltung, die nicht selten dazu neigt, auf schnellen und plakativen Erkenntnisgewinn zu setzen. Das verdankt der Film vor allem der Tatsache, daß er seine jungen Zuschauer ernst genug nimmt, um sie für tiefsinnige Themen zu interessieren, und er vollbringt etwas, das im Kino für Heranwachsende selten ist: Er macht die Konflikte des Erwachsenwerdens auch zum Thema der Erwachsenen, indem er sie als durchweg autonome Figuren begreift, die, angetrieben von der Entwicklung des Jungen, ihre eigenen Erkenntnisse gewinnen, die aus dem Verlust ihrer Ideale herrühren. Ein Film also, der, um es ganz naiv, aber nichtsdestotrotz ernsthaft genug zu sagen, die Erwachsenen dazu motivieren kann, ihre Umwelt immer auch aus der verletzlichen Sicht ihrer Kinder zu begreifen, um mit ihnen gemeinsam für das Leben gestärkt aus dem Kino an das Tageslicht zu treten. Was ließe sich von einem Kinderfilm mehr erwarten? 2008-02-04 12:47
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