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Märzmelodie

D 2007. R,B: Martin Walz. B: Lars Hoeppner. K: Matthias Fleischer. S: Simone Klier. M: Emil Viklicky. P: X Filme. D: Jan Henrik Stahlberg, Alexandra Neldel, Gode Benedix, Gedeon Burkhard, Jana Pallaske u.a.
96 Min. X Verleih ab 7.2.08

Soundtrack zum Gähnen

Von Marieke Steinhoff Mixtapes können vielerlei Funktionen haben: Als Geschenk stellen sie die persönlichere Variante zur gekauften CD dar, sie sind oftmals Übermittler verschlüsselter Botschaften und aktivieren wie kein anderes Medium die subjektive Erinnerung ihrer Macher – Urlaube, Ex- und gegenwärtige Lieben, Krisen und Glücksmomente, für all dies haben wir den passenden Song gespeichert, der besser als jede Erzählung das Gefühl von damals wieder hervorruft.

Auch im alltäglichen Miteinander kreieren wir ständig unsere eigenen Lebenssoundtracks, unterlegen besondere Momente mit der dafür »passenden« Musik und schaffen so ein Plus an Performanz und gezielter Inszenierung. Manchmal findet diese Musikalisierung auch nur im Kopf statt und bleibt der Außenwelt somit verborgen – aber was, wenn in diesen Momenten einfach eine Play-Taste gedrückt werden könnte und somit das Nicht-Hörbare hörbar werden würde?

Diese Idee des persönlichen Soundtracks, der für den Zuschauer hörbar ist und somit tiefe Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten gewährt, liegt Märzmelodie zugrunde und hätte auch die große Stärke dieser ansonsten recht konventionell anmutenden deutschen Beziehungskomödie um drei Pärchen und ihre jeweiligen Annäherungs-, Kommunikations- und Persönlichkeitsprobleme werden können. Aber leider bringen die Song-Einlagen, die wir als Playback-Performance von den Schauspielern zu hören bekommen, keinen Zugewinn, sondern verstärken eher das Gefühl von Irritation und Peinlichkeit aufgrund der zumeist oberflächlichen Stereotypen-Dialoge, des fehlenden Witzes, der eher mittelprächtigen Schauspielleistungen und des Desinteresses an den Figuren, die wie Fremdkörper im pseudo-märchenhaft inszenierten Berlin agieren.

Nun besticht das Genre des Musikfilms generell eher selten durch tiefsinnige Dialoge und komplexe Charaktere, man denke da nur an die großen Hits wie Saturday Night Fever, Hair oder die amerikanischen Musical-Klassiker der 1940er und 50er Jahre. Was diese gegenüber Märzmelodie dennoch auszeichnet sind die einprägsamen originären Songs, die dazugehörigen akrobatischen Tanzeinlagen und das Einfangen des jeweiligen Zeitgeistes. In Märzmelodie von alldem keine Spur. Das wild zusammengewürfelte Sammelsurium aus 70 Jahren deutschem Schlager läßt Zeitgeist und Originalität vermissen und funktioniert aufgrund der langen Zeitspanne nicht mal als Retro-Musical mit Marketing-Strategie. Die dramaturgische Entscheidung, die einzelnen Songs zu Musikfetzen zusammenzukürzen und in die gesprochenen Dialoge einzuschieben, um mal eben kurz die Gefühlswelt der Figuren zum Ausdruck zu bringen, führt dazu, daß zwischen Figur und Song keine Einheit erzeugt wird und die musikalischen »Anfälle« der Protagonisten eher zu peinlich berührten Lachern denn zur emotionalen Einfühlung führen.

Das ist schade, weil man aus der ursprünglichen Idee viel mehr hätte machen können; aber irgendwie will bei Märzmelodie nichts so richtig funktionieren, und so fühlt man sich ein bißchen ratlos angesichts dieses ambitionierten Projektes, dessen Resultat leider in einer abgeschmackten und wenig unterhaltsamen Beziehungskomödie endete. 2008-02-04 12:47
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