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Der Jane Austen Club

The Jane Austen Book Club. USA 2007. R,B: Robin Swicord. K: John Toon. S: Maryann Brandon. M: Aaron Zigman. P: Mockingbird Pictures, John Calley Production. D: Maria Bello, Emily Blunt, Kathy Baker, Jimmy Smits u.a.
106 Min. Sony Pictures ab 7.2.07

Mauerfilmchen

Von Martin Thomson Cineasten haben schwer daran zu knabbern, daß ihnen fast zwangsläufig irgendwann der emotionale Zugang zum Gesehenen abhanden kommt. In dem mithin fast hermetisch abgeschlossenen Olymp jener Filme, die einst ihre Leidenschaft entflammt haben, rücken danach nur noch wenige, manchmal sogar überhaupt keine Werke mehr. Die mit den Jahren immer höher gezogenen Mauern scheinen da irgendwann unüberwindbar. Zu kritisch geht der typische Afficionado mit dem Gesehenen um, zu rasch fallen ihm kleine Mäkel auf, die sogleich das Gesamtbild in die Untiefen des Durchschnitts und damit in die Bedeutungslosigkeit befördern. Der Jane Austen Club ist jener Sparte amüsanter Low – Budget – Filme zuzuordnen, die, ähnlich wie der diesjährige Oscar – Gewinner Little Miss Sunshine, zwar einen spezifischen Charme aufweisen, sich aber nichtsdestotrotz vieler Stereotypen bedienen um oberflächlich zu unterhalten.

In den Augen eines Cineasten ist Der Jane Austen Club damit fast schon als untragbar zu kategorisieren, es sei denn er versucht, seinen Zynismus zu überwinden und sich ähnlich bereitwillig auf die romantische Entrückung frustrierter alleinstehender Frauen einzulassen, wie sich die eher mit Autowäsche und Science-Fiction beschäftigten Männer im Film mit dem literarischen Werk von Jane Austen zu befassen versuchen.

Allzu schwer dürfte das nicht fallen, denn Regisseurin Robin Swicord gelingt das seltene Kunststück, durch die engen und zumeist geradlinig verlaufenden Gänge mitunter interessante Gedanken über Beziehungen und Liebe zu transportieren, die ihrem Film eine emotionale Komplexität verleihen, wie sie angesichts der Genrevorgaben sonst eher eine Ausnahme darstellt. Die ausgesprochen individuell auf die Wirrungen ihrer Gefühlswelt reagierenden Charaktere weiß die Regisseurin nicht nur pointiert miteinander zu verknüpfen, sie versteht es auch, ihr weibliches Ensemble in deren spielerischem Potential richtiggehend einzusetzen. Das gilt vor allem für Emily Blunt, die sich mit ihrer Leistung als eine der talentiertesten Nachwuchsschauspielerinnen des amerikanischen Gegenwartfilms positioniert.

Der Jane Austen Club hat durchaus Chancen, in dem ihm eigenen Olymp amüsanter Nachmittagsunterhaltung eine ehrenwerte Position einzunehmen. Das hängt vor allem mit dem Umstand zusammen, daß er die Erwartungen des Klientels, das er zu bedienen versucht, erfüllt, sie aber dennoch so abwechslungsreich zu variieren versteht, daß beim Cineasten vorhandene Mauern nicht eingerissen, aber zumindest marginal zum bröckeln gebracht werden. 2008-02-04 12:48
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