— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Die rote Zora

D 2007. R,B: Peter Kahane. B: Christian Zübert, Ronald Kruschak. K: Dragan Rogulj. S: Gudrun Steinbrück. M: Detlef Petersen. P: Studio Hamburg Produktion. D: Linn Reusse, Jakob Knoblauch, David Berton, Pascal Andres, Woody Mues u.a.
99 Min. Universal ab 24.1.08

Räuber und Gendarm

Von Bettina Schuler Was »Hanni und Nanni« für die braven Pferdemädchen ist, war die »Rote Zora« für die wilden Rabauken-Mädels der 1970er Jahre: Frei, mutig und zu jeder Schandtat bereit schlug sie sich mit ihrer Bande von Waisenkindern in dem kleinen Fischerdorf Senji über die Runden. Allein der arme Fischer Gorian griff dabei den elterlosen Kindern unter die Arme, die sich, ansonsten ganz auf sich alleine gestellt, ihren Lebensunterhalt zusammenklauten. Aus Kinderaugen ein paradiesisches Leben voller Abenteuer, Bettenlager im Heu und ohne Verbote von Erwachsenen, die einen immer zu früh ins Bett schicken. Düster und dunkel ist die Stimmung der TV-Serie aus den 1970er Jahren trotzdem, da sie auch die Schattenseiten dieses freien Kinderlebens zeigt, in dem es keine mütterliche Wärme oder Aussicht auf ein besseres Leben gibt und die Gesellschaft nicht für die mittel- und elterlosen Kinder sorgt. Ungerechtigkeit, Schmerz und Verlust sind die Hauptthemen der Serie, die alles andere als harmlos-kinderfreundlich ist, sondern durch die Schilderung der sozialen Unterschiede zwischen Armen und Reichen düster, ja streckenweise sogar pessimistisch ist, aber durch überzeichnete Charaktere wie den beiden trotteligen Dorfpolizisten oder den machtgierigen Bürgermeister ins Tragisch-Komische kippt.

Genau diese perfekte Mischung aus Tragik und Komik, die den Charme der Fernsehserie ausmacht, ist es, die der aktuellen Verfilmung dieses Kinderbuchklassikers von Kurt Held durch Peter Kahane fehlt. Vielmehr wirken Zora und ihre Bande wie wohlerzogene Kinder aus gutem Hause, die sich mit Dreck angeschmiert haben und Räuber und Gendarm spielen und nachher ins vorgewärmte Bett huschen. Die Verwegenheit und das Dreckige, das die Fernsehserie so spannend macht, sind bei Kahane dem Hochglanz gewichen. Und so wirken die Überlebensstrategien, die Zora und ihre Bande entwickelt haben, wie alberne Kinderstreiche, die allein den Sinn und Zweck verfolgen, ihre Stärke gegenüber den anderen Halbwüchsigenbanden zu beweisen. Zudem hat es sich der Regisseur nicht nehmen lassen, durch die Einführung eines Erkennungszeichens, dem roten Z, eine Parallele zu dem Degenhelden Zorro herzustellen, die völlig albern wirkt und den Räuber-und-Gendarm-Charakter des Films nur noch unterstreicht. Auch das Spiel der jungen Darsteller wirkt, abgesehen von Linn Reusse als Rote Zora, alles andere als überzeugend. Die Dialoge klingen streckenweise wie schlecht auswendiggelernte Gedichte, die notgedrungen aufgesagt werden müssen. Darüber kann auch die prominente Besetzung mit Mario Adorf als edelmütiger Fischer Gorian und Ben Becker als fieser Kaufmann Karaman, der als eitler Bösewicht extrem gut besetzt ist, nicht hinwegtäuschen. Ein toller Stoff, dem leider das Besondere in seiner Kinoversion genommen wurde. Alle, die sich trotzdem für die filmische Version des Kinderbuchklassikers interessieren, sollten sich lieber die Serie anschauen. 2008-01-21 17:37
© 2012, Schnitt Online

Sitemap