— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

My Blueberry Nights

ROC/USA 2007. R,B: Wong Kar-wai. B: Lawrence Block. K: Darius Khondji. S: William Chang. M: Shigeru Umebayashi. P: Block 2 Pictures, Jet Tone Production u.a. D: Norah Jones, Jude Law, Rachel Weisz, Natalie Portman u.a.
111 Min. Prokino ab 24.1.08

Aber bitte mit Sahne

Von Constanze Frowein Mit 2046 habe Wong Kar-wai Abschied von dem nicht mehr existierenden Hongkong seiner Kindheit und Jugend nehmen wollen. »Das Neue«, das der Regisseur des in seiner Poesie berauschenden In the Mood for Love nun mit seiner ersten amerikanischen Arbeit geschaffen hat, bedeutet eine krasse Umgewöhnung, nicht nur für eingefleischte Wong Kar-wai-Fans. Beim 60. Filmfestival in Cannes eröffnete My Blueberry Nights die glamouröse Veranstaltung, und dieser entsprechend veranstalteten »Luis Vuitton« und die Produktionsfirma »Studio Canal« eine My Blueberry Nights-Party. Schon der Film selbst gönnt dem Hersteller nicht gerade dezenter Edeltaschen in ebensowenig unauffälliger Weise eine Großaufnahme eines seiner Produkte. Überhaupt wimmelt es in Wongs jüngstem Werk nur so vor werbetechnischen oder freundlicher gesagt: PR-strategischen Maßnahmen: So darf die bisher vorwiegend als Schmusejazzsängerin und Tochter des großartigen Sitarspielers Ravi Shankar bekannte Norah Jones nicht bloß ihr Debüt als Schauspielerin geben. Auch ihr neuer Song »The Story« wird über die Leinwand als besonders schmackhafter Videoclip mit Blaubeerkuchen umworben. Dabei will der chinesische Regisseur doch lediglich die Geschichte einer Frau erzählen, die den längeren statt des kürzeren Weges nimmt, um letztendlich dem Mann wiederzubegegnen, den sie liebt.

Die Roadmovie-Anspielung in My Blueberry Nights führt die von Norah Jones gespielte Elizabeth von New York über Memphis nach Las Vegas, um letztendlich wieder am Ausgangspunkt der Geschichte zu landen: einer kleinen New Yorker Bar, in der sie der empathische, von Jude Law dargestellte Jeremy die ganze Zeit ihrer Abwesenheit erwartet. Der hat sich schon zu Beginn der Geschichte in die kulleräugige liebesleidende Elizabeth verliebt, als er dem erschöpft an der Theke schlummernden Wesen die Reste des Blaubeerkuchens von den schlafgeschmollten Lippen küßt. Der Weg, den die junge Frau nehmen muß, um ihren Liebeskummer zu überwinden, führt sie nach Memphis, wo sie immer noch großäugig und völlig passiv das Drama eines selbstmitleidigen, weil verlassen wordenen alkoholsüchtigen Cops, der zum Selbstmörder wird, beobachtet. Die Musikwahl von Otis Reddings »Try a Little Tenderness« und ein ärgerniserregender Dialog über die Schuld am Selbstmord des von David Strathairn gemimten Trinkers können dem Kinobesucher die Haare im Nacken sträuben lassen. Der Weg ihrer Selbstfindung führt die junge Frau weiterhin nach Las Vegas, wo sie das immer wiederkehrende Bild des scheuen Naivchens perfektioniert, indem sie 3.000 Dollar an die von Natalie Portman überschäumend gespielte spielsüchtige Vaterkomplexlerin Sue Lynne verliert.

Immer wieder kann man sich fragen: Warum ist die Hauptfigur nicht schon in der ersten Kußszene des Films aufgewacht, um sich nicht die voraussehbare Dopplung dieses etwa eine Stunde später erfolgenden Moments mit anderem Ausgang zu ersparen? Nein, die Kußszene selbst hat es in sich, doch warum Norah Jones dafür einen so weiten Weg gehen mußte, bleibt dem Zuschauer womöglich schleierhaft. Auch dieser Text hätte es sich einfacher machen können und dem Leser einiges ersparen können. Kurz: Der Film hält die Langeweile, die er im Presseheft mit kalenderspruchartigen Zitaten »verspricht«. 1970-01-01 01:00

Abdruck

© 2012, Schnitt Online

Sitemap