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Fallen

A 2006. R,B: Barbara Albert. K: Bernhard Keller. S: Karina Ressler. P: Coop99 Film. D: Nina Proll, Birgit Minichmayr, Gabriela Hegedüs u.a.
88 Min. Novapool Pictures ab 17.1.08

Utopia Revisited

Von Tamara Danicic Vierzehn Jahre sind seit dem Ende der Schulzeit vergangen – eine verdammt lange Zeit für Utopien. Damals schrieben die fünf Protagonistinnen »Wir sind frei« an die Tafel und träumten von einem gemeinsamen Haus auf einer Waldlichtung, von der sie jetzt nicht mal mehr wissen, wo genau sie lag. Nach all den Jahren, in denen sie sich aus den Augen verloren und »einfach gelebt« haben (wie eine von ihnen lapidar feststellt), führt die Beerdigung eines Lehrers die einstigen Freundinnen wieder zusammen. Zwei Tage und eine Nacht lang werden ihre Überzeugungen wie auch Träume auf den Prüfstand gestellt. In ihrer schwarzen Kleidung wirken die fünf Frauen zuweilen wie junge Witwen ihrer zu Grabe getragenen Illusionen. Lediglich Brigitte, die Lehrerin, scheint sich mit dem Abschied von den einstigen Idealen noch nicht abgefunden zu haben.

Nachdem in Barbara Alberts letztem Film Böse Zellen ein transzendentaler Blick von oben die Figurenbeziehungen ordnete, müssen sich die Heldinnen in Fallen ihren Gruppenzusammenhalt selbst erarbeiten. Dabei treten nicht zuletzt die stets labilen Bündnisse und Konfrontationslinien innerhalb der Gruppe zutage. Szenen, in denen alle fünf vom Bildrahmen eingefaßt werden, sind selten. Daß Zweier- oder Dreierkonstellationen dominieren, ist kein Zufall. Gegen Ende des Films, als eine gewaltsam von ihren Freundinnen getrennt werden soll, bäumen sich diese gemeinschaftlich auf. Aber die Utopie von einst kommt gegen die Realität von heute nicht an. Wenn die zurückbleibenden Frauen mit dem Ruf »Es lebe die Freiheit« Solidarität demonstrieren, so ist das zweifellos ein anrührender Moment. Und doch schwingt dabei auch ein Funke Resignation mit. Vielleicht, weil sie ahnen, daß Freiheit immer auch ein Stück weit auf Kosten des Zusammenhalts geht. Echte Gemeinsamkeit setzt eben Kompromisse voraus. Und so bleibt schließlich nur noch die vage Hoffnung des Songs der österreichischen Band Gustav, der zum Abspann erklingt: »We shall overcome. One day.« 2008-01-14 09:30

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #49.
© 2012, Schnitt Online

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