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Die zweigeteilte Frau

La fille coupée en deux. F/D 2007. R,B: Claude Chabrol. B: Cécile Maistre. K: Eduardo Serra. S: Monique Fardoulis. M: Matthieu Chabrol. P: Alicéléo. D: Ludivine Sagnier, Benoît Magimel, François Berléand u.a.
115 Min. Concorde ab 10.1.08

Liebe keinen Nächsten

Von Maike Schmidt »Der Mensch ist dazu geschaffen, um auf dieser Erde glücklich zu sein«, so schrieb Chabrol in seinen Selbstzeugnissen. Daß seine Figuren selten wirklich glücklich sind, hat einen einfachen Grund: Es sind Menschen, und Menschen neigen dazu, sich idiotisch zu benehmen. Und Idiotie führt auf dem schnellsten Weg ins Unglück. Wegbereiter dafür ist immer gerne die Liebe. Denn mit der Liebe ist das so eine Sache: Man kann sich ihr so schlecht erwehren. Sie kommt, wann sie kommen mag; sie bleibt, wenn sie bleiben mag, und wen sie in ihren Bann zieht, kann nur sie allein verstehen. Mit ihr kommt die Freude, ja das Glück, aber auch Furcht, Angst und Eifersucht. Läßt man sich auf sie ein, und der Mensch neigt dazu, so bekommt man zumeist alles und immer auch mehr.

Chabrol, ewiger Zeichner und Analytiker gut- bis besserbürgerlicher Gemeinschaften, nimmt sich hier eines Nachsinnens über die Schwierigkeiten des Herzens in Form eines jungen Mädchens an, welches zwischen zwei Männern ihren Gefühlen zu sehr vertraut, als daß sie die Ereignisse, die sie losstößt, noch voraussehen kann und möchte. Der Liebe muß man sich hingeben, wohl wahr; doch bleibt nicht alles gut, was einen schönen Anfang hatte, und Glück zerbricht dann schneller, als man ahnt. Wer liebt, ist egozentrisch und übersieht leicht, wem wehgetan wird und daß die eigenen Gefühle denen des anderen in nichts nachstehen. Und wenn das so ist, dann nur mit dem Ergebnis, daß einer verliert.

In Die zweigeteilte Frau verlieren alle. Der eine verzweifelt an der Liebe, die nicht erwidert wird, der andere daran, daß zu viele Menschen um sein Herz kämpfen und er sein eigenes nicht hergeben möchte: Zwei Männer, die sie, das junge Mädchen, aufsaugen, verschlucken und in zwei Teilen wieder ausspeien. Das Glück sieht sich seinen Konsequenzen gegenüber, zeigt dem Mädchen, daß sie den einen zerstört, dem anderen egal ist. Liebe macht dumm macht unglücklich. Keine schöne Moral, aber eine ehrliche, der man sich ebensowenig erwehren kann wie der Liebe selbst. Und warum sollte man auch? Denn Dummheit ist keine Zwangsläufigkeit und Unglück somit kein Versprechen. Und wenn der Mensch schon dazu geschaffen ist, glücklich zu sein, dann ist Chabrol wohl der Letzte, der am Ende dieses in anderer Form stehenlassen kann. 2008-01-06 18:03
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